Affenkönig

Selbstvergewisserung da, wo es auf die Mitte des Lebens, auf die Fünfzig zugeht, das ist sicher ein Thema, was sich bei Oliver Rihs und seinen Koautoren Michael Sauter, Thomas Ritter und Thomas Hess aus der eigenen biographischen Situation heraus angeboten haben dürfte (laut Presseheft ist der Regisseur Oliver Rihs Jahrgang 71 und seine Mitschreiber 1973, 1968 und 1967). Sich überlegen, was ist aus unseren Träumen, die wir zu Beginn des Erwachsenen- und Berufslebens hatten, geworden.

Die Idee, vier ehemalige Jungmänner nach 20 Jahren wieder zusammenkommen zu lassen zu einer Bestandsaufnahme, ist so plausibel wie auch gerne angewandt.

Hier kommt ein kleines, gemeinsames Problem hinzu: damals hatten Viktor (Samuel Finzi), Ralph (Oliver Korittke) und Martin (Marc Hosemann), ihren Spezl Wolfi (Hans-Jochen Wagner) in Marokko sitzen lassen, sind nicht zur Radtour in Frauendessous erschienen.

Hiermit ist ein Fakt gespoilert. Das dürfte allerdings kaum ins Gewicht fallen, da, und hier komme ich auf die problematische Seite dieser Filmunternehmung zu sprechen, dass dieses vorhandene Wissen um den Verrat weder dem Zuschauer rechtzeitig mitgeteilt wird, was möglicherweise ein erheblicher Konstruktionsfehler des Drehbuches darstellt, noch dass Oliver Rihs das als Regisseur inszeniert, wodurch dem Zuschauer eine elementare Spannungswürze vorenthalten bleibt, ja, was dazu führt, dass man überhaupt nicht versteht, warum die alle von Anfang an so masslos aufgedreht und undifferenziert chargieren.

Aus diesem Grund entsteht der Eindruck, den schon viele Südfrankreichfilme, besonders aus deutschen Landen haben entstehen lassen: dass ein Filmteam es geil findet (und wir gönnen es ihnen, soweit wir das nicht mit Zwangsgebühren berappen müssen), für einige Wochen an einer angenehmen Location im warmen Süden zu drehen und viel Lustigkeit dabei zu haben, oder wie hier, um die Wette zu utrieren, am meisten Hans-Jochen Wagner als der einladende Wolfi. Daran sind schon viele gescheitert.

Es kommt dabei auch der Gedanke auf, dass möglicherweise das Casting von Uwe Bünker seinen erheblichen Anteil am absehbaren Misserfolg dieses Filmes an den Kinokassen hat. Der Caster bekommt normalerweise das Drehbuch vorher zu lesen. Er hätte also wissen müssen, dass da Dinge in den Figuren sind, die im Drehbuch viel zu spät virulent werden, eben die Info über die gemeinsame Vergangenheit, dass er nicht gut beraten war, sich bei der Besetzung auf „Namen“ aus dem Zwangsgebührenbiotop zu beschränken, die auf so eine Aufgabe nicht vorbereitet sind, die nicht selbständig genug sind, einen solchen Drehbuchinput, der dem Leser/Zuschauer erst spät bekannt gegeben und textlich vorher nicht die Bohne angetippt wird, in die Reflexion über ihr Spiel und ihre Rolle einzubeziehen, und so vielleicht doch eine minimale Spannung aufkommen zu lassen, die den Zuschauer bei der Stange halten würde, indem dieser sagt, irgendwas stimmt nicht in dieser Gruppen, irgendwo liegt da ein Hund begraben und zwar woanders als in schlechter Schauspielerei.

Nein, hier fragt sich der Zuschauer nur, warum die alle so übertrieben und unglaubwürdig agieren. Im selben Utriermodus wird die Fahrradtour kurz erinnert, dann wird sie in den Dessous nachgeholt und ist schon wieder vergessen, hat nichts an den Leuten verändert, ok, bis dann zur Schlusspointe, die aber so müde und welk daher kommt, dass es zu viel der Ehre wäre, diese auch noch zu verraten.

Diese Filmanstrengung wirkt so, als wollen die Macher es zeigefingerhaft darauf anlegen, zu demonstrieren, wie Träume und Typen innert 20 Jahren kaputt gehen. Es scheint auch, dass sich die Autoren mehr um Originalität und Zotenhaftigkeit bemüht haben, als darum, die Differenz der Figuren von damals und von heute genau herauszuarbeiten, das verdrängte schlechte Gewissen spürbar zu machen und daraus dramaturgisches Kapital zu schlagen.

Stattdessen bringen sie Witze ins Drehbuch ein: das ist meist die definitive Kapitulation vor der Kunst (war auch beim letzten Lauterbachfilm Frauen zu beobachten). Ärgerlich dabei, dass wir von Staates wegen gezwungen sind, dies per Zwangsgebühr zu finanzieren.

Außerdem: fette Werbung für bmc-Switzerland auf den Radtrikots, darf also nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt werden oder nur mit dem Risiko des Vorwurfs der Schleichwerbung.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahler an die Redaktionen von ARTE und den SR.

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