Der Schatz

Ein Kinoschatz aus Rumänien.

Adrian (Adrian Purcarescu) war selbständig, hatte einen Verlag, die Krise hat ihn bankrott gehen lassen. Er kann seine Hypotheken nicht mehr bedienen, die Miete nicht mehr bezahlen. Er fragt seinen Nachbarn Costi (Toma Cuzin), ob er ihm Geld pumpen kann. Daraus wird das Abenteuer dieses Filmes. Adrian ist die zweite Hauptfigur in diesem Bijoux von Film von Corneliu Porumboiu.

Der Film fängt mit Costi an. Der hat einen Job in einem Büro. Er ist verheiratet mit Raluca (Cristina Cuzina Toma) und hat einen Buben. Diesem liest er gerne Geschichten vor von Robin Hood oder von König Richard.

Im Vorlesen wird Costi gestört, so fängt die Geschichte an, vom Nachbarn Adrian. Geld leihen kommt nicht in Frage. Aber wie die Rede auf den Schatz kommt, den Adrians Vater oder Großvater in Islaz außerhalb von Bukarest vergraben haben soll, wird Costi hellhörig.

Porumboiu skizziert in ganz genauen Dialogen mit hervorragender Sprachregie – wunderbar, wie sich die Darsteller zuhören! – die Entwicklung der Dinge, Schritt für Schritt.

Den Schatz zu finden, braucht es Metalldetektoren. Allein dieses Problem zu lösen berichtet viel aus den Komplikationen und Verhaltensweisen im rumänischen Alltag. Die kleine Lüge, mit der Costi früher von der Arbeit weg will, um so einen Metalldetektoren ausfindig zu machen, bringt ihn am nächsten Tag am Arbeitslplatz in die Bredouille. Handlungen haben Konsequenzen.

Costi stößt vorerst auf einen ehrlichen Geschäftsmann, der ihn auf die Gesetzgebung in Bezug auf das Finden von Schätzen aufmerksam macht, – das wirtschaftliche Problem des Nachbarn Adrian löst die ganze Geschichte aus – dass Schätze dem Staat zu melden seien, bei Androhung von Gefängnis. Der Staat entscheidet dann, ob ein Gegenstand Kulturerbe sei und an ihn falle. Das sei generell der Fall, falls der Staat das für sich als Gewinn sehe.

Schließlichen fahren Adrian und Costi zum verfallenden Gehöft in Islaz – die Erwähnung der Ortschaft lässt die Dialoge weit in die rumänische Geschichte zurückgehen und auch die Themen Kommunismus, Widerstand und Freiheit streifen oder auch die Arbeitsmoral („wir denken nicht, wir arbeiten“).

Cornel (Corneliu Cozme) hat seinen Chef, den seriösen Geschäftsmann mit einem günstigeren (schwarzen) Angebot unterboten und wird mit zwei Arten von Detektoren zu den beiden Schatzsuchern stoßen. Es ist faszinierend den Dreien beim Suchen zuzuschauen. Einer tut immer was, die zwei anderen stehen rum, schauen zu, wissen es auch mal besser, beschaffen ein Licht. Was sich mit einer einfachen Glühlampe und Autoscheinwerfern bereits an Lichtatmosphären herstellen lässt!

Mit so einem Suchgerät, besonders wenn es elektronisch ist, umzugehen, scheint selbst für den Fachmann ein Problem. So viel kann verraten werden, die beiden werden, nachdem Cornel dort, wo Adrian sowieso den Schatz vermutet hat, nämlich unterm Maulbeerbaum, weil man Schätze immer unter Bäumen verstecke, in zwei Metern Tiefe fündig werden.

Unser Gewinn dabei: 90 spannende und unterhaltesame Minuten mit zwei Schatzsuchern verbracht zu haben, deren Charaktere kennengelernt zu haben; und sicher stellt sich der Zuschauer die Frage, wie er sich in dem Fall verhalten würde, wie viel Charakter er in einzelnen verführerischen Situationen aufbringen würde und nebenbei hat er auch erfahren, dass es eine Munition gibt, mit welcher bei der Entenjagd 2 -3 Enten mit einem Schuss erlegt werden können. Diese Info verdanken wir der Tatsache, dass sich im Dach des verfallenden Hauses von Adrian Krähen eingenistet haben.

Corneliu Porumboiu liefert uns einen schönen Beweis für eine einfache, aber hochspannende Kunst filmischen Erzählens, die mit minimalsten Einstellungen arbeitet, die ihre überragende Qualität aus der sorgfältigen Drehbucharbeit und jener mit den Schauspielern bezieht.

Und wen zieht die rumänische Polizei für das sorgfältige Öffnen der Schatzkiste bei?

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