The Fourth Phase

Pures Abenteurertum ist es, was die jungen Männer um Travis Rice umtreibt, ihre Grenzen wollen sie ausloten. Die rationalen Begründungen, die sie dazu liefern, dürften eher vorgeschoben sein und der Beruhigung dienen, der quasi seriösen Legitimation, sollte sie immun machen gegen vernünftelnde Einwände.

Selbstverständlich gehen sie verantwortungsbewusst um mit ihrem Spieltrieb, sie wollen morgen auch noch leben, wollen es noch weiter treiben. Sie sind durchaus auch bereit, ein Unternehmen abzubrechen trotz monatelanger Vorbereitungen, wenn es zu riskant erscheint wie der Mangel an Schnee in Alaska, wenn der Untergrund nur Harsch und das Risiko für ihre waghalsigen Snowboardabfahrten unkalkulierbar wird.

Das heißt nicht, dass sie Unfälle auschließen können. Einmal bleibt Travis in einer von ihm selbst ausgelösten Lawine hängen (das sind mit von den wahnsinnigsten Bildern, wenn sie in die Tiefe brausen und parallel von ihnen Lawinen um die Wette). Er lebt. Der Arzt bemerkt, welch ungewöhnlich starke Muskeln er habe. Der Versuch wird ein Jahr später erneut gestartet am „So Far Gone“ in Alaska.

Sie selbst sprechen von Versuch und Irrtum, wie einsten Professor Karl Popper. Sie geben somit ihren Abenteuern eine Devise. Sie geben sich Vorgaben. Sie wollen etwas im Kreislauf der Natur zwischen Wasser und Eis erkunden. Travis will den Weg des Wassers in seinen Formen um die Welt folgen.

Erst lässt er sich vom Meeresstrom über den Pazifik im Katamaran nach Japan treiben. Hier entdeckt er ein für uns ziemlich unbekanntes Japan: die japanischen Alpen. Hier braust er mit Freunden im tiefsten Pulverschnee durch bewaldete Abhänge, schlägt Kapriolen, die Bäume haben es ihnen angetan, sie bauen Schanzen und lassen sich an Baumstämmen abprallen, schlagen Salti.

Es geht weiter nach Russland. Das Ziel ist Kamtschatka, eine bergige Vulkaninsel. Geld spielt für die Abenteurer offenbar keine Rolle. Sie fliegen mit schweren russischen Helikoptern übers Meer. Aber die Armee lässt sie trotz erfüllter, komplizierter Formalitäten abblitzen. So fliegen sie über im Hafen vor sich hin rostende Kriegsschiffe wieder zurück.

Es folgt Alaska. Hier sind sie pausenlos mit dem Heli unterwegs, lassen sich auf schmalsten Graten und Gipfeln im tiefen Schnee absetzen und starten zu halsbrecherischen Fahrten, teils fast senkrecht in die Tiefe.

Der Zuschauer profitiert von der fortwährenden Höherentwicklung der Kameras und kommt so zu ungeahnten Erlebnissen, dass er sich fast festehalten möchte am Kinostuhl. GoPro auf den Helmen oder den Skieren der Fahrer, solche die Kollegen aufnehmen, Aufnahmen aus Helikoptern und Drohnen. Dem Presseheft sind Details über Kameras und Zusätze zu entnehmen: RED Dragon, Raven und Epic, GoPro, Phantom Flex4K, ARRi Alexa, Canon 5D my ii (für Zeitraffer), Canon IDC, Sony A75 mk ii und dazu Shotover F1 Camera System, Freefly Movi M145, Kessler cineDrive: Bewegliches Zeitraffersystem, Intuitive Aerial Aerigon – keine Ahnung, was das alles ist. Die Regie führte Jon Klaczkiewicz nach dem Buch von Melissa Larsen.

Das Reizvolle am Snowboarden ist das Spiel zwischen Schwerkraft und Leichtigkeit, sie suchen die vierte Phase (zwischen Wasser und Regen und Schnee), wie die Fahrer über den steilsten Hängen in der Luft noch Figuren springen, für mich jedenfalls faszinierender als Basejumping, Klettern, Surfen oder Rafting, wie der Mensch versucht, das Schwerkraftprinzip in ein Lust- und Freiheitsprinzip umzuwandeln. Ob er damit auf der richtigen Fährte ist?

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