Hedis Hochzeit – Inhebbek Hedi

Hedi, Majd Mastoura, ist Autoverkäufer für Peugot in Tunesien. Er stammt aus Kairouan, lebt in Tunis, wird, weil die Verkäufe stagnieren, nach Mahdia versetzt, das nicht weit von seiner Heimatstadt entfernt ist.

Hedi ist im Hobby Comiczeichner; seine feinziselierten Topoi lassen auf Abgründe schließen und nicht auf heile Welt. Zwischen diesen Welten wird er in diesem Film von Mohamed Ben Attia hin- und hergerissen. Denn die geordnete Welt der Familie, die nach Regeln und Gebräuchen lebt und für Abweichungen kein Verständnis hat, drängt ihn zur Heirat.

Seit drei Jahren ist er mit Khedija, Omnia Ben Ghali, zugange. Immer nur treffen sie sich im Auto. Keine Berührungen, kein Kuss, die Braut schwärmt lediglich von solchen Dingen oder schreibt ihm Briefe mit Texten von Umarmungen und Küssen und dergleichen.

Im Hotel in Mahdia lernt Hedi Rim, Rym Ben Messaoud, kennen, eine selbständige, emanzipierte Persönlichkeit, eine Frau, die als Animateurin in Uraubsclubs in vielen Ländern dieser Welt arbeitet. Sie ist ungebunden, liebt das freie Leben, die verschiedenen Sitten und Gebräuche und Sprachen und das Reisen.

Rim und Hedi laufen sich im Hotel über den Weg. Schnell sitzen sie am Strand, schwimmen, klettern über die Fassade und den Balkon zu ihrem Zimmer; zwei, die miteinander Pferde stehlen.

Die Erlebnisse mit dieser Frau, nebst den physischen sind es auch Gespräche über die Gestaltung des Lebens und wie es in anderen Ländern aussieht, sie wird als nächstes nach Montepellier in Frankreich reisen, reißen Hedi aus seiner schicksalhaften Ergebenheit in die Hochzeitsvorbereitungen seiner Familie, allen voran seiner Mutter, heraus.

Hedi war immer der brave Sohn, der nach Mutters Pfeife tanzte, auch mit der bevorstehenden Hochzeit. Sein älterer Bruder Ahmed, Hakim Boumessoudi, ist nach Frankreich ausgewandert, will von der Familie wenig wissen. Wegen der Hochzeit ist er kurz zurückgekehrt, ohne seine französische Familie.

Die Begegnung mit Rim lässt den Konflikt in Hedi, der am liebsten Comic-Zeichnungen veröffentlichen und davon leben würde, hochkochen. Hedi ist ein glatter, feiner Typ mit sympathischen Lachfältchen, kann gerne versonnen schauen, macht einen geheimnisvollen Eindruck, zeigt, dass er Innenleben hat, das nicht unbedingt mit dem Äußeren, beruflichen Anzugsleben oder dem traditionellen seiner Familie, den religiösen Ritualen zu tun hat; aber auch mit „Ohren wie Satellitenschüsseln“, wie Rim an einer Stelle bemerkt; was ihn doch sichtlich schmerzt.

Hedi wirkt in Momenten auch, als sei Böses in ihm virulent, was er geschickt zurückhält; es kommt in einer eruptiven Auseinandersetzung mit seiner Mutter zum Ausbruch.

Mohamed Ben Attia erzählt seine Geschichte vorwärts blickend ohne überflüssige Erklärungen wie auf einer Ideallinie, sparsam im Dialog und mit prima gecasteten und geführten Schauspielern.

Die tunesische Revolution traucht peripher auf (die Feier am 14. Januar, Demo), auch ein Kalkwerk – da hatte die Mutter für ihren bald heiratenden Sohn eine Stelle als Personalchef organisiert.

En passant ergeben sich Einblicke in das Tunesien von heute, von Strand und Sonne, vom Hotelebetrieb mit deutschen Gästen (über dem Abspann läuft ein deutscher Schlager „ich lass Deinen Namen auf den Rücken schreiben… er soll bleiben..“), von schön erhaltenen, alten Gassen, von halbfertigen Gebäuden, Klubleben, Tanz, Kaffee und Apfelwasserpfeife.

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