Die glorreichen Sieben

Vielleicht ist die Zeit des Western mit dem digitalen Zeitalter nicht mehr kompatibel.

Trotzdem wird das immer wieder getestet. Die Gebrüder Coen haben einen Versuch gestartet mit True Grit, Michael Fassbender versuchte es in Slow West in Neuseeland, Mad Mikkelsen in The Salvation in Südafrika gedreht. Für mich artikuliert sich in all diesen Versuchen mehr eine diffuse Kinosehnsucht denn das Need, uns heutigen Zuschauern etwas zu erzählen. Es spricht aus ihnen eine Nostalgie und eine Melancholie, eine Sehnsucht nach einsamen Helden und auch nach Gerechtigkeit.

Aber es ist auch ein Genre, in welchem gerne und ausgiebigt rumgeballert wird. Und das nicht zu kurz auch im vorliegenden, neuesten Versuch, in welchem Antoine Fuqua (Southpaw) nach einem Drehbuch von Shinobu Hashimoto eine Westernvariante des berühmten Akiro Kurosawa Filmes aus den Fünfzigern versucht. Und wenn man den vor Augen hat, frustriert erst mal die Transponierung der Story in eine konventionelle, filmische Goldgräberstadt in einem unter der Computerpostproduktion doch sehr in Mitleidenschaft gezogenen Westen.

Erfrischend oder erfreulich ist der anfängliche Diskurs über den Kapitalismus, dass der gleich Demokratie sei, das ist heutig und traurig und bedarf schon als solches der Abhilfe.

Der ausbeutende und unterdrückende Bösewicht ist Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard, der ihn manieristisch anlegt). Er bietet den Bewohnern von Rose Creek 20 Dollar für ihr Land, eine reine Erpressung; vielleicht zu sehen als aktuellen Hinweis auf das Sprießen von Despoten allerorten auf der Welt, die schamlos ihren Völkern die Rechte nehmen, Assad, Putin, Erdogan und die auch im feinen Anzug daherkommen; wobei der Verweis wacklig ist, da Bogue (in diesem Begriff kann gerne „Bogus“ mitgehört werden, Synonym für ‚betrügerisch‘ und ’schwindlerisch‘) lediglich ein Banker und kein Politiker ist. Er geht davon aus, dass jedermann auf der Welt käuflich sei.

Für die gebeutelten Dorfbewohner taucht da Chisholm (Denzel Washingt kaschiert gerade noch einigermaßen seinen fülligen Bauch) als Retter auf. Er will Bogue die Stirn bieten, wenn er das nächste Mal wieder in Rose Creen abkassieren will.

Den Rest der ersten Filmstunde füllt Antoine Fuqua mit ausgiebiger Suche nach den weiteren „Glorreichen“, ein Casting über Tage, manche Desperados laufen Chisholm über den Weg, andere sucht er gezielt. Das ist etwas verwirrend, zwar gut gemeint, die einzelnen Figuren zu charakterisieren, andererseits reicht die Zeit für mehr als eine Skizze nicht aus, so dass die Eindrücke vom einen schnell von den Eindrücken vom nächsten überlagert werden. Die Fotografie lässt alle ähnlich wild aussehen.

Es werden teils ausführlich Begründungen geliefert, Motiviationen erzählt, wieso die einzelnen Helden mitmachen werden bei diesem Akt der Selbstjustiz. Als Belohnung dafür hat die Heldin unter den Dorfbewohnern, Emma Cullen (Haley Bennett mit dem immer gleich verzweifelten Gesichtsausdruck) ihr ganzes Hab und Gut versprochen. Gerade hat Bogue ihren Mann vor aller Augen auf dem Dorfplatz erschossen.

Ganz klar: diese Helden sind keine Idealisten. Es kommt auch ein Bogenschütze der Komantschen dazu. Er ist von seinem Stamm verstoßen, ferner ein Säufer, ein Bonvivant und Bärentöter, und ein von Kopfgeldjägern Gesuchter.

Jetzt ist der Film beim zweiten Kapitel angekommen: erst müssen die Dorfbewohner überzeugt werden. Dies geschieht mittels Abschießerei von Bogues Schergen und Stadthaltern und dann kommt die Vorbereitung der dilettantischen Provinzler zur Verteidigung von Rose Creek.

Das Zeitfenster für die Abwehrvorbereitungen ist errechenbar, denn Bogue residiert in Sacramento. Der Unglücksbote, als welcher der Sheriff von Bogues Gnaden eingesetzt wird, braucht drei Tage hin.

Fuqua zeichnet jedoch nicht nur die Verteidigungsvorbereitungen breit nach, er zeigt auch Szenen der Pause, des Essens, des Ausruhens. Nachdem auch dies ausgiebig geschehen ist, geht’s endlich auf die finale Schlacht zu.

Bogue rückt mit einem gewaltigen Heer samt „Gattling Gun“ an. Es wird ein großes Schlachten werden mit vielen, vielen Opfern auf beiden Seiten, bis sich endlich die beiden Antagonisten in der klassischen Westernkulisse fast klassisch gegenüberstehen und das Gute siegen wird und auch die Begründung für das Handeln von Chisolm offengelegt wird. Aber auch dieser Western kann mir nur schwer seine Aktualität und warum ich mir den ansehen soll, erklären.

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