Keinesfalls geschönt ist der amerikanische Wahlkampf, den wir hier erleben, lediglich zugespitzt auf den offiziell nur im Film (hier bereits Nummer drei nach The Purge und The Purge: Anarchy) von James DeMonaco stattfindenden, jährlichen Purge.

Das Muster ist bekannt: ein Tag im Jahr ist Purge-Tag. Es gelten 12 Stunden Jagdfreiheit der Menschen auf die Menschen, da dürfen die Waffennarren von Amis abschießen, wen immer sie vors Rohr bekommen und sie gehen garantiert straffrei aus; die reinigende Wirkung soll für den Rest des Jahres zu einer gesunkenen Kriminalitätsrate führen.

Für den Zuschauer eine Nervenprobe schon bei Film Nummer eins und zwei. Im dritten Film muss James DeMonaco nicht mal mehr das Zeitmuster zur Spannungserzeugung nutzen. Hier hat er mit den aktuellen Präsidentschaftskandidaten krasse, reale Vorbilder, die sich eh schon bis aufs Blut und mit allen Mitteln bekämpfen, so ein Purge fügt sich da nur konsequent ein.

Die herrschend Partei ist erzkonservativ und reaktionär. Sie heißt NFFA. Sie will den Purge nicht nur zur Senkung der Kriminalitätsrate nutzen, sondern auch zur Reduktion von Armut durch Eliminierung von Menschen der unteren Schichten.

Herausgefordert wird der aktuelle Präsident im Wahlkampf von einer Frau, Senatorin Charlie Roan, Elizabeth Mitchell, die sich gegen überrissene Sicherheitsmaßnahmen für die Purgenacht sperrt und den Plan der NFFA durchkreuzen will.

Durch eine personellee Schwachstelle in ihrem Sicherheitsdienst gerät sie fast schutzlos in die Purge-Nacht hinaus, einzig begleitet von einem verlässlichen Security-Mann, Frank Grillo als patriotisch-heldenhaftem Sergeant, der sich selbst eine Kugel aus dem Leib operiert.

Um den Film nicht nur in der abgehobenen Washintoner Politklasse veröden zu lassen, hat James DeMonaco den sympathischen Joel, Mykeltie Williamson, erfunden, der in einem einfachen Quartier einen Deli-Laden betreibt und von dem deutlich wird, dass dieser sein Ein und Alles ist und dass er ihn auf keinen Fall durch den Purge verlieren darf. Aber da hat er die Rechnung ohne zwei freche Gören gemacht, die er am Vorabend beim Schockoriegelklau erwischt hat.

Der Purge wird von DeMonaco teils auch als ein malerischer Helloween geschildert, bunt, krass, fantsievoll, eine Maskerade und Schwärme von Mördertouristen fallen in die Vereinigten Staaten ein; auch das Purgeversicherungsgeschäft boomt und es gibt Inseln von lauter guten Menschen, die sich gegenseitig helfen … während die NFFA eine Art kirchliches Hochamt ihrer perversen Weltsicht und in Vorfreude eines baldigen Wahlsieges begeht.

Vielleicht kann man diesen dritten und voraussichtlich letzten Purge-Film als Barometer für die reduzierte Zivilisiertheit des Umganges beim Wahlkampf in den USA sehen. Keine Freude. Am Schluss suhlt DeMonaco sich noch ausgiebig im Show-Down.

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