Soigner son jardin.
Ein Kritiker setzte Rudolf Thome auf eine Stufe mit Rivette, Renoir, Rossellini. Die Golden Palme von Cannes ist ihm versagt geblieben. 28 Spielfilme hat er gemacht. Seinen 29. zu finanzieren mit dem Titel „Überall Blumen“ hat ihm Degeto verweigert.
Auch Crowd-Funding, wofür ihn seine Tochter Joya unterstützen wollte, funktionierte nicht. Er möchte seine Leute bezahlen können, er möchte nicht mehr so improvisiert arbeiten wie mit 30, dazu fehle ihm die Kraft, glaubt Thome, deutscher Filmemacher mit Inidividualität, der sein Werk hegt und pflegt wie seinen Bauernhof, ein „Unikum“, wie seine Eltern ihn zu titulieren pflegten.
90 Minuten Begegnung mit einem ungewöhnlichen Zeitgenossen, der mit einer Radikalität der Hingabe an die Filmemacherei nach einem möglicherweise veralteten Ideal des frühen 20. Jahrhunderts als „auteur“ lebt, ermöglicht uns diese Dokumentation von Serpil Turhan, die mit Eva Hartmann auch das Drehbuch geschrieben hat. Sie war, wie er sagt, nicht nur seine Assistentin, sondern soll auch die Protagonistin seines nächsten Filmes sein; sie haben einen vertrauten Umgang miteinander, sie soll oder will ihn beim Schreiben filmen; wobei er nie vergessen kann, dass eine Kamera ihn beobachtet und er sich überlegt, wie er sich selbst darstellen soll, als einer, der die Kamera bemerkt oder als einer, der die Kamera nicht bemerkt.
Als Zuschauer fühlt man sich wie ein Gast auf seinem Bauernhof, den er mit karger Schönheit gestaltet ohne diese eitle Manie modernen Gartenbaus.
Es scheint auch nicht so, als versuche Rudolf Thome etwas zu verbergen vor dem Zuschauer. Vielleicht seine Nacktheit, denn ohne Dokumentaristin würde er sich unangezogen rasieren, gibt er zu Protokoll, und vermutlich trüge er auch nicht dauernd frisch gebügelte Hemden.
Mit seiner Tochter Joya skypt er. Diese studiert in New York und hat das Gefühl, das erste Mal richtig zu arbeiten im Gegensatz zu ihrer Hochschule in Berlin. Sohn Nicolai hilft beim ausgiebigen Frühjahrsputz im Frosch- und Schwimmteich.
In kleinen Einsprengseln taucht Thomes Werk auf. Sei es, dass er in einem verstaubten Abstellraum nach alten Filmklappen wühlt. Das nennt er eine Macke, für jeden Film eine eigene Klappe liebevoll hergestellt zu haben; Minihinweise für die Hingabe an seine Filme. Requisiten und Kostüme hat er gesammelt in der vagen Hoffnung, dass sich vielleicht irgendwer irgendwann dafür interessieren werde. Danach sieht es nicht aus.
Rudolf Thome erweckt den Eindruck eines vergessenen Filmemachers. Andererseits meint er, er müsse nicht noch Spielfilm 29 machen mit 75 Jahren.
Wichtiger ist ihm, durch regelmäßiges Radeln sich fit zu halten. Dass er das Kind in sich bewahrt hat, was für einen Künstler eine essentielle Produktivitätsgrundlage ist, wird ersichtlich im Umgang mit seinem Blog („Hier kann man fast alle meine Filme online anschauen“) oder wenn er ein Filmchen bei Vimeo hochlädt über den Tanz dreier Schmetterlinge oder über die Fütterung junger Rotschwänzchen durch ihre Eltern und seine Versessenheit auf Klicks als Zeichen des Geliebtwerdens; dem kann nachgeholfen werden, wenn man die Tochter um Likes bittet.
Eine denkwürdige Begegnung mit einem Künstler, der verdammt jung geblieben ist – und der von unserer Zwangsgebührenkultur respektlos behandelt wird, dass man am liebsten im Boden versinken würde bei dem Dreck, den die andauernd fördern.