Polizeiruf 110: Wölfe (ARD, Sonntag, 11. September 2016

Eine kunstvolle Fantasie über Wölfe und „eine — äh – – äh – – Apfel – – Schorle – – klein“

Fazit: Verbrecher, die sich selbst richten, nehmen der Polizei Arbeit ab, ersparen dem Zuschauer Hektik, der Maske Kunstblut und ermöglichen einen unaufgeregten Sonntagabend.

Ein ruhiger Polizeiruf, vielleicht nicht spannend, aber schön anzuschauen, weil vom Meisterstylisten des deutschen Kinos angerichtet, von Christian Petzold, ganz unter Verzicht auf die Fernsehkurzatmigkeit und rund um das Titelthema Wölfe, aber auch Katzen können kratzig und bissig sein und die grauen Wölfe der Türkei sind eine nationalistische Vereinigung mit eigenem Mythos, während hasenschartige Tierpfleger ein hartes Schicksal haben, wenn sie noch so sehr versuchen mittels Doktortitel und Tüchtigkeit im Zoo sich durchzusetzen. Dieser gibt ihnen die Mittel auch für fragwürdige Taten an die Hand.

Wobei es Petzold vor allem um schön inszenierte Frauen geht, im Zentrum Barbara Auer als Constance, die hier große Qualitäten erreicht und der man gerne zuschaut. Dagegen arbeitet der nach wie vor verstört wirkende Kommissar Meuffels mit viel Arm- und Handgestik, welche Petzold ihm mit Zigaretten-Rauchen einzudämmen versucht; ganz kann er aber Brandt das Kindertheater nicht abgewöhnen, was für eine Zangengeburt allein die Bestellung „eine äh – – äh – – Apfel – – Schorle – – klein“ in Anspruch nimmt, kostbare und teure Fernsehsekunden, die zur Geschichte grad so gar nichts beitragen – oder welch Gestöhn, bis Meuffels endlich ein Telefon abnimmt, als sei Textproduktion eine existentielle Beleidigung.

Trotzdem schafft Petzold es, Kommissar Meuffels wenigstens den Gemeindediakon auszutreiben, aber seinen Modus eines chronischen Generalvorwurfes an die Welt, der sich im Ton, in der Intonation seiner Sätze oder wie er zum Telefon greift, diesen quängelnden Ton ihm abzugewöhnen, da dürfte bei der minimen Zahl von Drehtagen eines Tatorts keine Zeit gewesen sein.

Constance ist eine Kollegin des Kommissars. Sie ist aus Hamburg und die beiden verbinden Gefühle. Da wird gleich ein Geheimnis implantiert, wie der Kommissar mit ihr von einem Münchner Tatort aus telefoniert und davon ausgeht, dass sie in Hamburg ist, wir aber ganz deutlich sehen, dass sie in einem voralpinen Holzhaus sich aufhält.

Die Raucherei wäre ein eigenes Thema, sollten diese Schauspieler, auch Frau Auer muss ab und an zur Zigarette greifen, wenn sie nicht gerade ihren Kummer mit Gin-Tonic zu ertränken hat, sollten diese Schauspieler also irgendwelche Vorbildfunktion im Zwangsgebührenland haben, so wäre es abzulehnen, auf Kosten der Zwangsgebührenzahler das Rauchen als bildschirmvorbildlich zu präsentieren. Das ist konträr zum Grundauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender. Das wäre ja absurd, wenn der Staat uns zwingen würde, Geld für den Zwangsgebührenfunk am Mund abzusparen, damit der uns dafür das Rauchen schmackhaft macht – und zwar ohne fettschwarzen Untertext, der auf die Gefahren hinweist wie auf den Zigarettenschachteln. Ist das der böse, rabenschwarze Humor von Petzold?

Angenehm ist die Gerichtsmedizin: keine Pathologen-Clowns, sondern Leute, die sich ernsthaft um Problemlösungen und Erkenntnisse bemühen. Zur Petzold-Gepflogenheit gehören ferner kulturelle Einsprengsel, Filmzitate mit Yves Montand, Alain Delon, Rudyard Kipling, Henry Miller, Wölfe als Gründungsmythos (Romulus und Remus, Mogli oder die grauen Wölfe) oder auch eine sympathische Spielerei wie die mit der Juke-Box.

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