Männertag

Wie sie sich alle reinhängen, energie- und stimmungsmäßig, regie- und drehbuchmäßig, das ist durchaus gewinnend. Männerausflug und Alkohol, ein Jahrzehnt nach der Jugend; Wiedersehen der Clique von einst. Da ist keine Kunst intendiert, kein großes Kino; da geht es um eine Alltags-Ausbruchs-Erwägung.

Eine gewisse Überlebenskdialektik ist den einzelnen Figuren eingebaut, wodurch die Darsteller nicht utrieren müssen wie im „Affenkönig“ (kommt im Oktober in die Kinos), sondern den direkten Ton wählen können.

Allerdings sind Diskrepanzen festzustellen: zwischen dem Einsatz der Distanz vorgebenden Kameradrohne und der Quasi-Nulldistanz (allenfalls gleichzusetzen mit intendierter Ehrlichkeit oder Authentizität) der Erzählung, womit die Drohne sich nur als Ablenkungsmanöververhikel erweist und der Erzählung eine Enge verleiht, die nicht die des Kinos sein sollte.

Vielleicht auch die Diskrepanz zwischen Klamotten- und Wahrheitsanspruch, die besonders schmerzlich spürbar wird. Wobei die Klamotte handwerklich ordentlich bedient wird, während allfällige erweiternde Sichtweisen auf das Mannsein als solches verschlossen bleiben. Hier offenbart sich, dass die Macher von einem gegenseitigen Verständnis ausgehen, von einer stillschweigenden Übereinkunft mit dem Publikum, dass sie eh nichts Neues zu finden und zu beobachten gedenken, was für mich einer Art Stammtisch- oder Schrebergartenunderstanding entspricht. Wodurch selbstredend Überraschungen nicht zu erwarten sind.

Dagegen haben vorbeugend die Affenkönig-Leute wenigstens masslos übertrieben, womit sie immerhin zu verstehen geben, dass sie den Rahmen (welchen? Irgendeinen!) sprengen wollen, während hier, das ist das Betrübliche an dieser Veranstaltung, alles schön im Rahmen des Genres bleibt – mehr oder weniger gekonnt immerhin. Im braven Rahmen traditionellen Über-die-Stränge-Schlagens.

Ach ja, eine Story gibt’s auch. Einer aus der Jugendclique stirbt. Sein Testament lautet: die überlebenden Freunde sollen die Urne des Verstorbenen mit dem Bierbike zu ihrem Lieblingsort am See fahren und dort die Asche verstreuen.

Zuverlässig absehbar ist, dass das eine abenteuerliche Reise wird. Wobei die Autoren immerhin sich ernsthaft um eine gewisse Figurenplausibilität bemühen. Milan Peschel als Stevie ist Lehrer und trifft unterwegs Schüler, ebenfalls auf Vatertagausflug, Tom Beck als Chris, der Doktor Fröhlich aus einer Daily Soap, soll von seiner Assistentin Andrea, Lavinia Wilson, zur Entzugsklinik gefahren werden, Axel Stein als Klaus Maria ist ein Autor mit Schreibblockade, Oliver Wnuk möchte sich als Transgender outen und der pubertäre Bub des Lehrers, Paul, fährt auch noch mit, das dürften durchaus Figuren sein, die der Fernsehproduzent und Drehbuchautor Philip Voges, der mit Ilja Haller das Drehbuch geschrieben hat, aus seinem Berufsalltag kennt und zum Vorbild für die eine oder andere Rolle genommen haben dürfte. Holger Hasse hat das mit Freude an Kamerkakopterspielereien solide inszeniert.

Der Männertagsausflug verführt die Macher dazu, viel Stimmungsmusik, auch hiermit sozusagen einen Life-Effekt von einem Männertag erzeugen wollend, auf die Tonspur zu hauen.

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