Mein ziemlich kleiner Freund – Un Homme à la Hauteur

Bei aller Systematik, das Problem beim Pinkeln eines kleinwüchsigen Mannes auf dem Pissoir wird in diesem mustergültigen Themenfilm von Laurent Tirard, der mit Grégoire Vigneron + 5 auch das Drehbuch nach dem Film „Corazón de Léon“ von Marcos Carnevale geschrieben hat, nicht behandelt. Das ist auch nicht der Punkt.

Es geht Tirard um die Perspektive der Umwelt, der „Normalen“, um die Würde, die auch ein kleinwüchsiger Mensch verdient hat und dass es ausschließlich darauf ankommt.

Alexandre, Jean Dujardin (The Artist) ist Architekt, wohlhabend. Sein aktuelles Projekt ist ein Anbau der Oper Lüttich. Er plädiert für mutige Architektur, man müsse Größe in den Ideen zeigen. Alexandre hat einen normalgroßen Sohn, der Benji heißt und der einen großen Berner Sennenhund hat, der für einen bestimmten, illustrativen Running Gag gut ist. Alexandre ist 1.50 Meter groß.

Laurent kommt mit seinem Film schnell und schnittig zur Sache. Diane, Virginie Efira (Birnenkuchen und Lavendel) ist Anwältin und betreibt mit ihrem Ex ein gemeinsames Büro. Er kommt nicht los von ihr. In einem Café lässt sie ihr Handy liegen. Zuhause angekommen klingelt das Telefon. Eine vereinnahmende, höchst präsente Männerstimme meldet sich als Finder. Man sieht förmlich, wie bei der angenehmen Stimme (im Original, bitte keine deutsche Synchro!) ihre Fantasie zu Rotieren anfängt. Das genügt als Exposition. Jetzt die Titel.

Und schon geht’s zum Blind Date. Der Dialog am Telefon vorher war gespickt mit Anspielungen von Alexandre, man könne ihn nicht übersehen und er habe sich vorher nicht gemeldet im Café, weil sie ihn wohl übersehen hätte. Tricky.

Tirard spielt nun auf dieser an sich dünnen Themen-Ausgangslage eine ganze Reihe von amüsanten Nummern durch, in denen der Größenunterschied Relevanz erzeugt und zum Gradmesser für die Toleranz der Umwelt wird.

Besonders schwierig ist die Begegnung mit der Mutter von Diane, die sich selbstverständlich einen Traummann von Schwiegersohn wünscht und mindestens Mühe hat, das Traumhafte an Alexandre zu sehen. Der Darsteller Dujardin ist ein solcher, doch der Filmtrick hat ihn hier schrumpfen lassen, was seiner Attraktivität nicht den geringsten Abbruch tut.

Alexander ist nicht auf den Kopf gefallen. Wehe, wer seinem Charme und seiner Fantasie erliegt. Der kann wilde Abenteuer erleben und kommt nicht mehr los von ihm. Plötzlich ist er, resp. sie in der Luft und schreit wild „Halten Sie das Flugzeug an!“ Entsprechend ist der Film durchwirkt vom Witz und Charme des Protagonisten. Oder die kleine Geschichte mit dem Pulloverkauf. Diane will ihm einen Pullover schenken, gibt’s nicht in der passenden Größe, es bleibt nur die Kinderabteilung – das wird komische/tragikomische Folgen haben.

Wobei die Anspielung mit dem Schneewittchen von ihrem Ex diesen nicht als Intelligenzbolzen und Menschenfreund ausweist, er benutzt auch den Begriff „Zwergpinscher“ – so sind viele Menschen leider gestrickt.

Beim Reflektieren über den Film wird klar, hier hat einer voller Zuneigung gearbeitet und getüftelt; es würde vieles zu erzählen geben, viele Anekdoten, Begebenheiten, die systematisch aufgefädelt unter Verzicht auf jeglichen Firlefanz auf der Leinwand einen antörnen.

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