Belladonna of Sadness

Erst mal begeistert mich die Kunst, die Präsentation der Geschichte in ihrer Vielfalt und Phantasiehaftigkeit der Zeichnungen in Farbe und Form, die ihr eine Frische geben, als sei dieser japanische Anime von heute.

Genauso vielfältig und also wenig vorhersehbar, wenig berechenbar, ist die musikalische Untermalung, die sich der verschiedensten Instrumente und Richtungen bedient. Dabei ist der Film von 1973. Buch und Regie sind von Eiichi Yamamoto.

Ein wildes, wild zusammengewürfeltes Werk, wie der Besuch einer großen Ausstellung von Zeichnungen. Die Bilder erzählen in der Abfolge die Geschichte von Jean und Jeanne. Die beiden lieben sich und sind verliebt. Aber wenn der biedere, ehrbare Jean schläft, meldet sich bei Jeanne ein kleines Teufelchen, das sich schnell zu einer Phallusvariation auswächst.

Bis zur direkten Referenz an die französische Revolution und an das Bild von Delacroix mit Jeanne d’Arc nimmt die Geschichte allerdings einen Verlauf, der wenig mit der französischen Revolution gemein hat, der nicht von Gleichheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit bestimmt ist, sondern davon, dass es eine Macht im Lande gibt, die herrscht: einen König – dieser und seine Familie geben den Anlass für die statischsten Bilder im Film.

Jean wird zum Geldeintreiber für den König gemacht. Anfänglich ist er erfolgreich. Dann will der König, weil Männer das mögen, in den Krieg ziehen. Das braucht noch mehr Geld. Das bei der armen Bevölkerung einzutreiben, ist schwierig, deshalb lässt der König dem armen Jean die linke Hand abhacken; raue Sitten.

Jeanne wird weiterhin vom Teufelchen provoziert und gejuckt, bis sie ihm ihre Seele verkauft. Von da an geht es mit ihr steil bergauf. Sie wird als Geldverleiherin erfolgreich und berühmt und zur Gefahr für den Königshof und somit zur Feindin.

Viel weibliche Leidensgeschichte. Sie flieht in undurchdringliche Wälder. Sie gibt Anlass zu heftigen pornographischen Träumen der Zeichner. Schließlich wird sie zur Wunderheilerin, ist beim Volk beliebt, wird vom Königshof als Hexe angesehen, verhaftet und verbrannt, denn sie war nicht bereit, dem Königreich zu glücklichen Bürgern zu verhelfen. Und auch Jean erleidet einen gewaltsamen Tod.

Den Europäer lässt die Geschichte vielleicht etwas ratlos oder verwundert zurück. Was aber die Begeisterung für den wilden, zügellosen Umgang mit den Farben und Formen, den Spielereien mit Rollbild und Aufwärtsfahrt und Abwärtsfahrt und der wunderhübschen Jeanne, die immer in einem Geflecht von Ranken erscheint, ausgehend von den schön und wellig drapierten Haaren, keinesfalls mindern kann.

Nähe mancher Bilder auch zur Jugendstilhaftigkeit eines Gustav Klimt oder eines Egon Schiele. Wobei Jeans Traum doch der von der Normalität gewesen wäre mit Jeanne als Bauersfrau.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert