Die Meerjungfrau und der Weiße Hai.

Traumhaftes Meer, traumhafte Bucht, traumhafter Strand, traumhafte Surfwellen, traumhaftes Licht, traumhafte Darsteller, traumhafte Kamera. Daraus setzt Jaume Collet-Serra nach dem Drehbuch von Anthony Jaswinski einen ansprechenden Horrorfilm zusammen, denn all diese Traumhaftigkeit, die er gleißend ins Bild fängt und aneinanderschneidet hat einen dunklen Unterklang in den Tiefen des Meeres, da lauert, das ist nun wirklich nicht neu, der Weiße Hai. Vor dem sind die Zuschauer inzwischen gewarnt. Deshalb muss anders exponiert und anders erzählt werden, um Spannung und Überraschung zu erzeugen.

Nancy, Blake Lively, eine aparte Frau und Amerikanerin ist in Mexiko mit ihrer Freundin zum Surfen. Diese ist heute unpässlich. Deshalb lässt sich Nancy von einem attraktiven Mexikano in einem Jeep an den einsamen Strand chauffieren, sie dialogisieren behelfsmäßig auf Englisch.

Nancy chattet ein wenig mit ihrem Vater, mit ihrer Tochter, mit der Freundin; diese Chats blendet Collet-Serra up-to-date geschmackvoll ein, was der Top-Fotografie von Flavio Martinez keinen Abbruch tut, Verwendung als passendes Bild-Accessoire.

Im Vorspann nimmt Collet-Serra eine kleine Szene aus dem späteren Verlauf des Filmes vorweg. Ein lockiger Mexikaner-Junge findet einen Helm mit einer Kamera darauf montiert. Dieser Vorspann und auch die einleitenden Bilder werden in schnellen, geilen Details erzählt.

Nancy verabschiedet sich am Strand von Carlos, Òscar Jaenada. Sie bleibt allein zurück am Strand, packt ihre Siebensachen zusammen, deponiert diese im Gebüsch.

Collet-Serra baut sorgfältig, langsam und plausibel die Spannung auf, den Vorlauf zur angekündigten Katastrophe, es ist wie bei einer Bergbesteigung, er lässt es langsam angehen.

Nancy trifft im Wasser einen Mexikaner und einen Amerikaner, die beide auch wellenreiten. Hier baut der Regisseur eine brillante Surfphase in den Film ein, in welcher er zeigt, dass er mit jedem Surffilm mithalten kann, die Wellen die sich aufbäumen und überschlagen, die Wellentunnels. Er wechselt geschickt von Unterwasserkamera zu Überwasserkamera und lässt sie hin und wieder auch an der Drohne kreisen.

Im untiefen Wassser (the shallows aus dem Titel meint die Untiefe) am Strand ist eine aus dunklen Pflanzen gebildete Form erkennbar, die an einen Hai erinnert, eingeblendet wie ein Omen.

Es gibt von den beiden Jungs den Hinweis auf einen Felsen weiter draußen, der nur bei Ebbe sichtbar wird, ein kleiner Vorsprung, nun ja, so ein Felslein wie jenes, auf welchem in Kopenhagen die Meerjungfrau sitzt.

Nancy geht wieder an Land. Dann wieder ins Wasser. Die Jungs wollen in ihrem Jeep zurückkehren. Das Licht im Film wird dunkler, die durchflutende Helle geht zurück. Jetzt folgt die Phase des Filmes, in der Nancy allein mit den Naturgewalten sein wird.

Es ist die Phase, die den Film in die Nähe von 1-Personen-Survival-Filmen wie Gravity (wobei hier zwei Figuren verloren im Weltall schweben) platzieren oder von All ist Lost welcher allerdings thematisch tiefgründiger ist, während es Collet-Serra um handfeste Action eines ziemlich wild gewordenen Haies geht.

Es spielt noch die Seemöwe Sully „Steven“ mit einer eigenen kleinen Geschichte von Verletzlichkeit mit und die Erkenntnis aus dem Film ist die, dass sich in Galvestone an Texas‘ Gestaden doch sicherer surfen lässt.

Die Insel, die von der Bucht aus zu sehen ist, heißt die Insel der schwangeren Frau. Und nicht weit davon entfernt lassen sich atemberaubende Quallen-Unterwasser-Bilder und von höchster Not schießen.

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