Mother’s Day – Liebe ist kein Kinderspiel

Gemischte Familienschlachtplatte zum Muttertag nach ordentlicher HIN (so würde ich die amerikanische Hollywood-Industrie-Norm nennen).

Die Familie ist der Ort, sich zu schlachten und zu fetzen, um sich am Ende zu versöhnen.

Vater haut mit einer jungen attraktiven Frau ab. Mutter muss mit den zwei Buben allein klar kommen. Eine Tochter hat den Kontakt zu den Eltern abgebrochen. Die dürfen nicht wissen, dass sie eine Frau geheiratet und mit dieser ein Kind adoptiert hat. Die Schwester hält sich ebenfalls bedeckt. Sie hat mit einem Inder ein Kind. Das dürfen die Eltern auch nicht wissen. Die sind passionierte Wohntrailer-Fahrer und die Mutter ist sehr dick. Ein junger Mann hat mit einer jungen Frau ein Kind, aber sie will nicht heiraten. Er hat Comedy-Ambitionen. Die verlassene Ehefrau kommt in Kontakt mit einem Fitness-Trainer. Der wiederum ist Witwer, nun ja, ich hoff, ich bringe das alles nicht durcheinander, ah ja, richtig, und seine Tochter hat ihr erstes Date; er soll für sie im Supemarkt Tampons einkaufen – das ist in der verklemmten Gesellschaftsschicht, für die der Film gedacht ist, peinlich, erst recht, wenn die Kassiererin den Preis durch den Lautsprecher nachfragt.

Garry Marshall, der inzwischen verstorben ist, hat diese Komödie hochbetagt mit Julia Roberts als Zugstar und als Teleshopping-Verkäuferin nach dem Drehbuch von Anya Kochoff, Matthew Walker, Tom Hines, Lilly Hollander und ihm selber inszeniert.

Die routinierte, deutsche Synchro ist kein extra Stimulans.

Die Darstellerinnen scheinen alle von ähnlichen Schönheitsidealen geprägt, denen nachzuhelfen ist.

Die Karaoke-Bar heißt Shorty’s, weil ein Kleinwüchsiger der Barbetreiber ist.

Selbstverständlich ist Ballspielen auf dem Friedhof verboten, auch wenn die Mutter, genau, die haben wir vergessen, als Marine im Dienst verstorben ist, eine Kriegsheldin. Ihr Witwer betreibt den Fitness-Salon, in dem die verlassene Gattin von oben …. so schließen sich in so einem Film die Kreise.

Verquirlfilm einer System-Kinematographie, der generell die amerikanische (weiße?) Mittelschicht im Visier haben dürfte, es gibt zwar einen Fastfood-Verkäufer, aber die Figuren wohnen großzügig in eigenen Häusern.

Die Musik verleiht der Angelegenheit Power, den sie so von sich aus, bei aller Professionalität der amerikanischen Darsteller, nicht unbedingt entwickeln würde.

Zwischendrin gibt es eine amüsante, verrückte Fahrt mit einem Wohnmobil durch ein Villenviertel, verfolgt von einem Vagina-Wagen, der für den Muttertagsumzug vorbereitet wurde.

Wer das Shirt mit dem Aufdruck „Driver carries no cash, he is married“ trägt, das wird hier nicht verraten. Insofern: auch ein Hochzeitsfilm.

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