Genius: Die tausend Seiten einer Freundschaft

Die „wahre Geschichte“, wie im Vorspann steht, der Beziehung des amerikanischen Dichters Thomas Wolfe, expressiv unter Einsatz aller Extremitäten und Gesichtsmuskeln und gut geschulter Stimme dargestellt von Jude Law, zu seinem ersten und Entdecker-Verleger Mark Perkins, von Colin Firth mit wacher Übersicht auf die Leinwand gebracht und praktisch immer mit Hut auf dem Kopf.

Die Geschichte beginnt zur Zeit der großen Depression, 1929. Perkins ist bereits erfolgreich, hat Hemingway und F. Scott Fitzgerald verlegt und wohnt luxuriös in einem Landhaus mit vielköpfiger Familie.

Wolfe ist anfangs des Filmes erfolglos, hat nur Absagen kassiert. Das können die Amerikaner wunderbar, so eine Situation plausibel schildern und wie der No-Name beim berühmten Verleger sich meldet mit seinem Manuskript, einer von vielen, wie der Verleger anfängt Interesse zu zeigen und wie der Autor seine Gefühlsausbrüche zeigt, erst beim Verleger, dann bei seiner Frau, die selbst künstlerische Ambitionen hat, Nicole Kidman als Aline Bernstein.

Der Film von Michael Grandage nach dem Buch von John Logan (Skyfall) nach dem Roman von A. Scott Berg bringt die Entwicklung der beiden im besessenen Kampf um Text und Streichungen als gut nachvollziehbare, einfache Bildergeschichte, nicht allzu weit von der Seifenoper entfernt, fast eine Art Fotoromanze, die natürlich nicht nur romantisch ist, aber die die beiden so in Anspruch nimmt, dass es im Privatleben zu gären anfängt, Kinder und Frauen fühlen sich vernachlässigt.

Die Szenen werden in einer einfachen Theaterart gespielt, bühnenhaft nachbuchstabiert und können so auch für den Literaturfremden und nicht Topgebildeten nachvollzogen werden zum allfälligen, unangestrengten Ausfüllen einer Wissenslücke.

Einen Eindruck vom Werk geben zum einen Zitate, die Jude Law als Voice-Over attraktiv angenehm spricht, die die Schönheit von Wolfes Literatur erahnen lassen; die Musikalität in seiner Sprach; Wolfes Rhyhtmusgefühl wird andererseits filmisch herausgestellt, mehrfach beobachtet an Akzenten, die sein Fuß auf den Boden skandiert.

Ein berühmtes Werk, was Wolfe in diesem Film zustande bringt: „Zeit und Flug“.

Die Inszenierung wirkt besonders von der Beleuchtung her leicht altmodisch und etwas düster oder vielleicht ist bewusst intendiert, den Film historisch erscheinen zu lassen.

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