Jason Bourne

Ein Film zum Thema Überwachung, Sicherheit und Data Mining. Furchterregend, wie die Amis (NSA, ein faktisch begrabener Skandal) in ihren Spähzentralen offenbar jede Ecke der Welt detailgenau im Blick haben (und schnell zu aktivierende Kommandos in der Nähe). Selbst beim den größten Unruhen und bei Straßenchaos in Athen können sie Matt Damon als Jason Bourne (und gleichzeitig Produzent des Filmes), der seit Jahren im Untergrund lebt, mit computerisierter Gesichtserkennung orten.

Andererseits kann Bourne, der von so brennendem Interesse zu sein scheint, im nächsten Moment ruhig und unentedeckt von Griechenland nach London fliegen. Hinter ihm her ist der Geheimdienst, weil Bourne über den Schlüssel zu einem Computerprogramm verfügt, das für den CIA höchst gefährlich werden könnte. Die Agentur befürchtet, dass geheime Spähkooperationen mit Aaron von einem Internetmulit, einem weltweiten Netzwerk mit über eineinhalb Milliarden Menschen, Facebook und Zuckerberg lassen grüssen, bekannt werden.

Bourne hatte sich vor Jahren vom Geheimdienst abgesetzt, angeekelt durch die Korruption und dass dessen Ziel längst nicht mehr Schutz und Sicherheit der USA und seiner Brüger war. Sein Vater ist schon bei dem Verein gewesen und war der Erfinder des gefährlichen Computerprogrammes. Insofern ist die Geschichte für Jason mit der Vaterproblematik und insofern emotional belastet.

Paul Greengrass, der mit Christopher Rouse und Robert Ludlum auch das Drehbuch geschrieben hat, nutzt diese und weitere Verwicklungen, Ängste und Interessen, um einen rasanten Actionfilm im Sinne eines Selbstzweckes zu inszenieren, Action und Verfolgungsjagd um der Action und der Verfolgungsjagd willen.

Greengrass inszeniert pausenlos hektisches Gerenne und Gespähe und Aktionismus im CIA-Hauptquartier wie an der Front, anfangs in Athen, in hoher Bildschlagfrequenz und kürzesten Schnittfsequenzen, die durch von der Hektik infizierte Kamera noch kürzer und noch hektischer wirken, dass einem ständig Angst und Bange sein sollte um Bourne, erwischen sie ihn oder erwischen sie ihn nicht.

Der Geheimdienst selbst ist wiederum eine hochgeheime und hochverschlungene Angelegenheit mit widersprüchlichen Zielen und Machtansprüchen und ganz frisch und unverbraucht landet hier Heather Lee an, die spröd-aparte Alicia Vikander. So eine unverbrauchte Figur braucht es im Milieu, das ist ein Gesetz des Genres, falls irgendwo auf der Welt ein aufrechter Mensch gerettet werden soll.

Greengrass nutzt alle verfügbaren Mittel, um diesen Bilderdrive zur Übertünchung der relativen Messagelosigkeit des Filmes dominant werden zu lassen im Sinne erhöhter Gewichtung des Davonrennens, des Verfolgens, des Versuches, Informationsvorsprung zu erlangen, des Sichversteckens und des Ausspähens, der Atemlosigkeit um der Atemlosigkeit willen, denn die Tricksereien an der Spitze des CIA sind als solche weder neu noch erhellend und die deutsche Routinesynchro kann da sowieso nichts beitragen; um von all diesen Belanglosigkeiten abzulenken gibt es nebst verschiedenen Locations in den USA Szenen in Istanbul, Athen, Albanien, Rom, London und Berlin (weil hier schöne Förderungen winken und auch Audi a bissl Werbung in den Film infiltrieren kann).

Bourne: nur wer untertaucht, kann überleben.

In Las Vegas gibt es ein kurzes Impromptu mit Taschendiebereien, aber der Trend der Aktivitäten parallel zum schwindenden Gehalt der Story zielt auf mehr Schießerei.
Wo aber ist die Relevanz des Filmes?

Wir halten es mit der hübschen Nachwuchskraft, die von Bourne den Rat erhält: „Sie sind nie hier gewesen“. Wir sind nie hier gewesen.

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