The Brave (DVD)

Großes Indianerehrenwort.

Johnny Depp lässt sich als Indianer Raphael von Marlon Brando als McCarthy in einer seiner letzten Rollen die höheren Weihen erteilen, kassiert einen Vorschuss von 50’000 Dollar, verkauft seine Seele und bietet sich mit seinem Indianerkopftuch und den langen schwarzen Haaren für die Karibikpiratenfilme an.

Der Film wurde 1997 gedreht. Johnny Depp hat mit Paul McCudden und D.P. Depp nach dem Roman von Gregory McDonald auch das Drehbuch geschrieben und die Regie geführt. Er lässt sich ausgiebig Zeit für Stimmungsbilder, für Kinobilder aus dem Fundus der Wild-West-Filme: die Melancholie der Prärie inklusive Gitarrensong dazu, Eisenbahnstrecke, staubige Piste, Rauch, Wind, Sand und irgendwo ein aufgelassenes Fabrikgebäude, einsame Figuren auf einsamen Wegen, sparsame Dialoge und dazwischendrin herzerweichende Vater-Sohn-Szenen.

Die Musik hat Iggy Popp zusammengestellt. Die Stimmung trägt durchgehend, auf dem Schrottplatz, an dessen Fuß die armselige Indiossiedlung steht, in der Siedlung selber, im Campingwagen von Raffael, den er mit seiner Frau und zwei süßen Kindern bewohnt, in der Kneipe oder auf dem Dorfplatz, der zum Rummelplatz wird. Denn über allem schwebt ein Deal, der Schaudern macht: Raffael hat seine Seele, er behauptet zwar: nur seinen Körper, verkauft und hat bereits eine für Indioverhältnisse gigantische Anzahlung kassiert.

Raffael hält mit seinem neuen Reichtum nicht hinterm Berg. Er kauft einen neuen Fernseher, schmückt den Rummelplatz mit Lichtern. Er gibt Geld aus für die Familie. Er behauptet, einen neuen Job zu haben. Das stößt auf Misstrauen, besonders am Stammtisch, denn den Leuten geht es beschissen.

Raffael selbst hat eine Karriere mit Knast hinter sich: Trunkenheit, Randalieren, Einbruch, Körperverletzung. Den Deal, der ihn sein Leben kosten wird, schlägt ihm Marlon Brando vor in einem Echo auf die Rolle des Paten, im Rollstuhl bewegt er sich, spielt Mundharmonika, philosophiert platonisch vom Leben als einem Schattenspiel, ein Ohr wird gut von den Haaren zugedeckt, da könnte ein Knopf für den Text drin stecken und Johnny wirkt wie kniend und anbetend vor dieser schauspielerischen Übergröße, vor diesem Schauspielergott, ganz der aufmerksam gelehrige Schüler.

Und stimmt, so will es das Drehbuch, dem Handel zu, der ein selbstmörderischer mit dem Teufel ist und den er, da er sich zur Aufgabe seines Lebens verpflichtet, nicht mehr wird kontrollieren können. Insgeheim wünscht man ihm, er möge doch auf so ein verflixtes Wort pfeifen.

Vielleicht ist es auch der Handel, den ein Schauspieler, wenn er ein Star, ein großer Star werden will, eingehen muss, er muss die Seele verkaufen. Das scheint mir die zweite Ebene dieses Filmes zu erzählen. Dazu muss er stehen. Mit seinem Indianerehrenwort.

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