Maggies Plan

Vielleicht interessiert mich die Frage nicht besonders, die Rebecca Miller hier nach einer Geschichte von Karen Rinaldi werweißend abzuhandeln versucht, ob Leben und Fortpflanzung planbar seien.

Vielleicht bin ich schlicht kein Freund von Filmen, in denen es um künstliche Insemination geht (Der Lieferheld, Vaterfreuden, Die feinen Unterschiede; meine Erfahrungen damit waren jedenfalls nicht berauschend.

Der Plot ist einfach. Maggies, Greta Gerwigs, Plan ist es, nach der Erfahrung wenig haltbarer Beziehungen mit Männern, sich mit künstlicher Befruchtung fortzupflanzen und so eine Familie ohne Vater zu gründen.

Maggie hat sich für einen Saure-Gurken-Produzenten (in dieser Adjektivierung scheint der gewollte Intellektualismus des Filmes auf und präzisiert die Gurken auch noch als „bayerisch“) als Samenspender entschieden.

Ganz unpersönlich per Samenbank will sie es doch nicht haben. Den Gurken-Typen kennt sie. Er erscheint in ihrer Wohnung, würde den Samen auch auf natürlichem Wege einpflanzen, sie will aber nicht. So überreicht er ihr die Spende in einem sterilen Becherchen, das er nach der großzügigen Befüllung wie ein schonenswert zu behandelndes Kleinod (wie ein Baby) sorgfältig warmhaltend in ein Küchentuch wickelt.

Maggie kann somit selbst mit der Insemination beginnen. Dieser Vorgang wird fragmentarisch in Details berichtet, einfach ist es nicht. Vor allem wird, da der Titel des Filmes ja Konzept ist, der Plan eh durchkreuzt, wird der Weg für andere Entwicklungen frei gemacht, werden mehrere Pläne durcheinandergewirbelt.

Ein Ex taucht auf, John, Ethan Hawke, Autor einer fiktokritischen Anthropologie und verheiratet mit Georgette, Julianne Moore, einer harten Karrierewissenschaftlerin. Die beiden haben zwei Kinder. John braucht eine Aus-Zeit, für die er bei Maggie anlandet. Anlass, Familypatchworking zu praktizieren mit Bonmots und leicht intellektualistischem Pingpong.

Die Story selbst schwankt ab und an in ihrem erzählerischen Fokus, ist vielleicht selbst irritiert durch ihr lediglich akademisches Thema, das sie von einer Riege erstklassiger Schauspieler erstklassig eingeübt performt sieht und fragt sich, wo bleibt bloß der Mensch vor lauter Thema und besinnt sich zuallerallerletzt, noch einen magischen Moment für Great Gerwig zu ermöglichen; die ist uns aber längst entglitten in ihrem klobigen Kostümstyling, das aus dem Fundus einer amerikanischen Freikirche stammen dürfte, welch letztere es garantiert nicht mit künstlicher Insemination hat.

Eine Komödie über den Zusammenbau eines Ikea-Schrankes könnte nicht inspirierter daherkommen, auch der Rhythmus ist allzu gleichmäßig bis hackelig.

Ein Film, mit dem sich anzufreunden, mir nicht leicht fällt. Oder handelt es sich um das Portrait einer einsamen Frau? Immerhin gibt es als Extempore einen Ausflug nach Quebec mit Schneeschuhen.

Vielleicht erhoffen sich die Filmemacher den Erfolg, den sie ihrem Autor John in den Mund legen: „Der Saal war voll, es gab ein paar Lacher“. Oder vielleicht den anderen Ratschlag, es gebe zu viele Allegorien im Buch; darauf versucht der Film radikal zu verzichten; was übrig bleibt, ist die Frage, ob Leben planbar sei oder nicht. Und da die Antwort sowieso klar ist, hm, wozu das Ganze?

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