Collide

Dies ist keine RomCom, dies ist ein RomComBegriffsgleichungs-, ein RomCom-Definitionsbebilderungsfilm oder ein Liebesgrößenbemessungsfilm.

Was nimmt ein Mann, der filmbildhübsche Nicolas Hoult als Casey, alles auf sich, wieviel Mut, Verwegenheit und wieviel Kriminalität riskiert er, um die Liebe zu seiner angebeteten Juliette, der filmbildhübschblonden Felicity Jones, zu retten, um ihr das Überleben mit einer Spenderniere zu ermöglichen.

Die Liebe selbst interessiert Eran Creevy, der mit F. Scott Frazier nach dessen Idee auch das Drehbuch geschrieben hat, einen feuchten Kehricht. Die schnetzelt er stereotyp, hart und herzlos deutsch runter: Kneipe, Party, Koks, Blick, Ansprechen, der Freund macht noch einen Kommentar und schon sind sie einen Monat zusammen.

Beides Amerikaner in Köln, die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen war offenbar vom Drehbuch angetan, die haben vielleicht Spurenelemente aus Actionfilmen von Luc Besson darin entdeckt und hin und weg waren sie sowieso, weil Ben Kingsley zugesagt hatte, den Knallchargentürken von Dealer und Zuhälter zu spielen und Ben Hopkins seinen Gegenspieler Hagen Kahl („mein Vater war ein sehr berüchtigter Vernehmungsoffizier“).

In der ersten gemeinsamen Szene der beiden Weltstars, wie Kingsley an den Geschäften von Hagen Kahl partnerschaftlich beteiligt werden möchte, irrlichtert einen kurzen Moment ein Hinweis auf mögliche Qualitäten dieses Filmes auf. Die Filmstiftung jedenfalls war platt. Wahrscheinlich, weil auch die Kölner Domgrabschplattform darin vorkommt. Und dann die deutschen Autobahnen, denn auf der Waagschale, auf der das Gegengewicht zum Begriff Liebe aufgehäuft und aneinandergeschnitten wird, da wird viel Auto gefahren, deutsche Autobahnfreiheit ausgefahren, da wird viel geballert und wenn das deutsche SEK eine Kölner Kneipe als umstellt definiert, können die Protagonisten seelenruhig über den Hinterausgang das Weite suchen. Ein Lob auf Köln.

Es kommt auf diese Waagschale der versuchte Coup von Casey mit seinem Kumpel, die halbjährliche LKW-Ladung mit Tennisbällen voller Koks zu klauen, oder die mit den Luxuslimousinen, deren Innenverkleidungen mit dem Kokserlösgeld gefüllt sind, egal; jedenfalls wird Krahls LKW genau beobachtet und jede Unregelmäßigkeit registriert, die Verfolger sind schnell vor Ort, bärbeißige Finstergesichter und so darf denn Casey ständig um sein Leben fliehen und verunfallen und sich wieder aufrappeln und sein Partner wartet in der Unterführung mit dem Schampus, aber da ist schon Juliette entführt und dann gibt es Verfolgungsjagden mit dem Auto durch ein Fachwerkstädtchen.

Irgendwie funktioniert diese Drehbuchbegabung in Deutschland nicht so richtig, es stellt sich die Frage, ob hier mal wieder stupid German Money am Werk ist und alle vor allem hinter diesem Geld her sind. Insofern kann der Film als Parodie seiner selbst gelesen werden, was Filmleute alles auf sich nehmen, um an deutsches Filmgeld zu kommen. Da sind sie sich für nichts zu schön, da lassen sie alle anderen Ansprüche fallen.

Aber die SZ wird sicher gut schreiben über den Film, denn schließlich liest Ben Hopkins sie in Köln. So ist es doch ein Film für einen guten Zweck.

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