Pets

Endemisch-industrielle Panik-vor-der Gaglücke-Illustration zum Thema „ist das Herrchen oder Frauchen aus dem Haus, so tanzen und toben die Haustiere“ – oder wie deckle ich die Kinder mit pausenlosen Gags und teils massiver Zirkus- bis kriegerischer Musik zu, ohne dass sie zum Denken kommen oder der eigenen Phantasie Raum lassen können, wie biedere ich mich einem Publikum in überflüssigem 3D an, damit es ins Kino rennt und die Kohle rüberschiebt und so leer ausgeht wie bei Zuckerwatte.

Es gibt ein Minimum an Story. Max ist die Hauptfigur, eine Straßenköteremischung von Terrier. Sein Frauchen gesellt ihm mit Duke einen Neufundländer aus dem Tierheim bei. An diesen beiden werden erstmals elementare, kindlich-familiäre Grundsituationen durchexerziert: der Futterneid, der Kampf ums Bettchen, was ist mir, was gehört dir.

Dieser Konflikt wird allerdings eher als Pflichtübung und kursorisch und nicht mit der vehementen Systematik bearbeitet, welche die Zeichner dafür aufwenden, aus jeder Situation einen Gag zu machen.

Das ist noch nachvollziehbar, dass Max anfängt, kostbare Gegenstände von Frauchen kaputt zu machen, um abends bei der Rückkehr von Frauchen dem unerwünschten Mitbewerber die Schuld zuzuschieben.

Nachvollziehbar ist auch, dass tagsüber turbulente Erlebnisse stattfinden müssen (es gibt noch eine größere Zahl von Haustieren, die von einem Pet-Walker, ausgeführt werden, während die Herrschaften arbeiten. Hier werden Max und Duke ausbrechen, werden in Kontakt kommen mit der – und hier wächst sich der Film weit über Kinderwelten in Metropoliswelten aus – Unterwelt der weggeworfenen Tiere, die in einer turmhohen Halle in der Kanalisation haust und grausame Aufnahmerituale mit einer Viper, die zur gigantischen Riesenschlange mit einem Giftzahn wird, alles so hart amerikanisch actionfilmmäßig, und weitere Elemente aus dem Katastrophenfilmgenre werden folgen; denn Max und Duke werden entlarvt als brave Haustiere mit Luxusleben und von der Meute der Weggeworfenen verfolgt, was holprige Verfolgungsjagden zeitigt, Stürze über Wasserfälle, Rowdiefahrt im Kombiwagen mit nachfolgendem Absturz von einer Brücke auf ein Baugerüst und der Wagen bleibt kopfüber drin stecken und dann wieder bedrohliche Maßenszenen mit dieser Unterweltmenagerie; ein Storyzusammengestiefele bis hin zur Weiner-Fabrik gleich ausgesprochen Wiener, von Ken Daurio, Brian Lynch und Cinco Paul in der Regie von Chris Renaud und Yarrow Cheney.

Bis abends jedenfalls sind alle wieder zuhause an ihrem Platz. Es folgt, weil eine nicht reicht, eine ganze Reihe reiner Kitschbilder von Herrschaften, die ihre Tiere abends zuhause in die Arme schließen und herzen. So wirkt dann auch der ganze revolutionäre Input, den die Tierunterwelt bringt, lediglich niedlich im Katastrophenformat, lediglich exploitet, um irgendwie die Leere des Tages zu füllen, sie keinesfalls ernst nehmend.

Die deutsche Nachsynchronisation ist unsensibel, humor- und charmlose, mit wenig Sprachgefühl, wirkt mechanisch industriell, bis villeicht auf die Figur des Greifvogels Tiberius, den Uwe Ochsenknecht spricht und die Stimme der Streunerkatze Ozon von Ralf Richter. Dieter Hallervordens Stimme als Pops mit dem Rollgestell statt der Hinterbeine ist zwar unverkennbar, scheint mir aber eine Fehlbesetzung zu sein, mein Eindruck wäre, die Figur müsste entweder viel abgeklärter oder dann absolut machtzynisch inszeniert werden; Hallervorden bleibt mir dagegen zu aufgeregt. Vor allem die Frauenstimmen sind zu hart. Man könnte jetzt versuchen zu analysieren, woran das liegt, ob es an der Schnell-Schnell-Synchronkultur in Deutschland liegt; es gibt andere Beispiele, die für die Entwicklung von Gehör und Sprachgefühl für die Kinder deutlich verbindlicher sind, ungefähr parallel dazu der Film Molly Monster, der allerdings für deutlich kleinere Kinder ist.

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