Von 5 – 7 – Eine etwas andere Liebesgeschichte (DVD)

Du hast mich tief berührt. Ich hätte alles getan, um dich zu retten.
„The Beautiful Kate Kaurate, Age 18 deserved so much better & died so young.
I was so moved by you, I would have done anything to save you.“

Diese im Anspann zitierten Sätze hat die Hauptfigur des Filmes, ein unbeschriebenes Blatt von talentiertem Autor, auf einer Parkbank als Widmung gefunden. Er sammelt zwei Arten von Texten. Das eine sind diese Dedikationen auf Parkbänken, die je eine Liebesgeschichte erahnen (oder literarisch erfinden) lassen; das andere sind die Absagen von Verlagen, mit denen der ambitionierte Nachwuchsschreiber zuhause eine Zimmerwand dekoriert, es werden ihrer immer mehr.

Zu vermuten, dass der Autor und Regisseur Victor Levin, der bisher vor allem als Produzent in Erscheinung getreten ist, damit durchaus eigenes Erleben in den Film einbringt, vielleicht Rückschau hält auf vergangene, jugendliche, dichterische Ambitionen, der Traum, gedruckt zu werden, in den Schaufenstern zu stehen oder im „New Yorker“, der Traum, bekannt und ein Name zu werden.

Wenn man nur das Rezept wüsste. Man müsste Geschichten erzählen, die die Leute mögen. Das sind die Ambitions-Parameter, mit denen Levin seinen Protagonisten ausstattet, Brian Bloom. Er wird dargestellt von einer High-Hope des Kinos, von Anton Yelchin, der eben im Juni bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist; eine unerwartet tragische Komponente, die der Film so erhält.

Dabei setzt er auf Zukunft und Hoffnung. Es scheint, dass der junge Autor Brian Bloom ganz systematisch vorgeht im Erfinden seiner Geschichte, in der Erzählung.

Die Erstbegegnung mit Arielle, Bérénice Malohe, eine aparte Französin: sie steht rauchend auf der anderen Straßenseite. Er geht zu ihr rüber. Über Dialog wird sofort eine Affäre daraus mit strikten Regeln: immer nur von 5 – 7 dürfen sie sich treffen (im Carlyle-Hotel, im Kino, im Museum, am See oder in der Vinothek).

Die geheimnisvolle Arielle (zu deutsch: Meerjungfrau), ist verheiratet mit einem französischen Diplomaten, hat zwei entzückende Kinder. Sie hat früher Liebe für Geld verkauft. Es schält sich also auch hier, wie schon kürzlich in Palmen im Schnee ein mehrfaches Konzept der Liebe heraus: Liebe zum Geldverdienen, Liebe zum Unterkommen in der Ehe und die Affäre, die in diesem Falle hochoffiziell wird.

Brian wird in die Familie von Arielle eingeladen, dem Ehegatten Valery, Lambert Wilson, vorgestellt. Er ist hoch erfreut über die Beziehung. Sie wirke sich positiv auf seine Frau aus. Brian wird die Kinder hüten. Er wird Arielle auch seinen etwas kleinkarierteren Eltern vorstellen. Sein Vater regt sich vor allem über hohe Parkgebühren auf und ist nicht begeistert von der schriftstellerischen Ambition seines Sohnes.

Die Affäre steigert sich. Brians Gefühle werden überdimensioniert, radikal, total, er begehrt sie ganz. Früher hätte dieser Wunsch auf ein Duell mit dem Ehegatten hingeführt. Heute gibt es andere Möglichkeiten.

Levin arbeitet sich sorgfältig voran von Szene zu Szene in der Art eines Dialog- und Salonstückes in die Gefühlsentwicklung des doch sehr akademischen Jungautors und Talentes, der auch noch unter seiner jüdischen Herkunft leidet. Und Levin hat ein Einsehen mit dem Karrierewunsch von Brian und auch mit dessen Gefühlswallungen für Arielle. Diese werden sich legen, Brian wird sie exploiten für den Roman mit ihrem Namen als Titel; der selbstverständlich erfolgreich sein wird.

Bei einem Besuch im Guggenheim-Museum wird bei der Betrachtung des berühmten Hopper-Gemäldes „Night-Hawks“ die Totheit der Figuren konstatiert und kontrastierend dazu der Wunsch zu leben artikuliert (der in der Affäre ansatzweise verwirklicht wird). Und es gibt den selbstironischen Literaturkommentar: „Ihre Geschichte hat eine Ahnung von Größe.“ Dem soll hier nicht widersprochen werden.

Die Musikuntermalung gibt sich sanft-klassisch-getragen.

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