Hier gibt es eine historisch aufregende Biographie zu entdecken: das Leben der ledigen, kinderlosen, lesbischen, zum Katholizismus konvertierten Schwedenkönigin Kristina, die die treibende Kraft hinter dem Westfälischen Frieden war, der den 30-jährigen Krieg beendet hat.
Kristina hat das niedrige Bildungsniveau in ihrem Land diagnostiziert, war selbst wissenbegierig, fasziniert von Philosophie, Forschung und Büchern und von Descartes und anderen Philosophen. Sie wollte Stockholm zum neuen Athen machen.
Mit Descartes hat sie einen Briefwechsel geführt und ihn nach Schweden an den Hof geholt, der ihm aber feindlich gesinnt war und ihn hier im Film mit Arsen vergiftet. Denn die Schwedische Krone war auf der protestantischen Seite, der Katholizismus verhasst, bekämpft und verrufen. Descartes war katholisch, obgleich Aufklärer.
Kristina hat schließlich ihren Cousin adoptiert und somit zum legitimen Thronfolger bestellt, während sie sich nach Italien zurückgezogen hat.
Was hier vom Stoff verkürzt wiedergegeben wurde, hat Mika Kaurismäki ( zuletzt von ihm gesehen die eindrückliche Frauenfigur Mama Africa – Miriam Makeba) nach dem Drehbuch von Michael Marc Bouchard (nach einem Theaterstück von ihm hat Xavier Dolan Sag nicht, wer du bist! gedreht) schön chronologisch und detailreich verfilmt (zB Leichenöffnung unter Anleitung von Descartes).
Wobei eine beachtliche Diskrepanz festzustellen ist zwischen dem Bildungslückenfüllergehalt des Filmes einerseits, den er – für mich zumindest – darstellt, und der künstlerischen Qualität. Die leidet allein schon massiv unter der merkwürdigen, deutschen Nachsynchronisation, wobei auch deutsche Schauspieler im Ensemble sind.
Es wirkt so, als habe Kaurismäki die Filmherstellung als reine Pflichtübung im Sinne der Aufarbeitung eines bemerkenswerten Stückes skandinavischer Geschichte – belastet durch entsprechend vielfältigem Förderaufwand – verwaltet; wobei nicht sofort zu eruieren ist, woran es liegt, ob am staatstragenden Duktus der Darstellung oder bereits am Buch, das sich vielleicht doch viel subjektiver Kristina als Hauptfigur hätte vornehmen sollen; dies möglicherweise im Hinblick auf die Geschichtsträchtigkeit und den nationalen Gehalt sich nicht getraut hat, sich selbst als ein Stück Geschichtsschreibung missversteht und so zu einer vermeintlichen Objektivität der Darstellung schlittert, die den Zuschauer wenig anrührt.
Wie dem auch sei; ein illustriertes Stück schwedischer Geschichte ist so zustande gekommen, was mindestens spannender sein dürfte als trockener Schulstoff, wenn auch unter gänzlichem Verzicht auf magische Momente. Und doch in großer musikalischer Sauce geschwenkt.
Wobei der Film auch schön Rationalismus und Wahnsinn/Paranoia gegeneinander antreten lässt, nebst Liebesdrama – staatstheatralisch.