UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung (DVD)

Was ist die bessere Unterhaltung? Diejenige, die sich über die schlechtere Unterhaltung lustig macht, die schlechte Werbung überrissen veräppelt, die Talkshows durch den Kakao zieht, die den eigenen Looserhelden als Jäger des verlorenen Schatzes einen Oscar erträumen, als Conan zum kraftstrotzenden Bibliothekar mutieren oder als Gandhi II von der Maxime der Gewaltlosigkeit abrücken lässt?

Dieser Held ist George, ein Looser par Excellence, es ist zum Verzweifeln, alles, was er anpackt gelingt nicht. Sein Onkel will ihm helfen, einen eigenen, lokalen TV-Sender, Kanal 62, wieder flott zu bekommen, ein aussichtsloses Unternehmen, was von Anfang an auf Erfolglosigkeit programmiert ist, denn in dem amerikanischen Kaff, in dem dieser Film von Jay Levey aus dem Jahre 1989 spielt, dominiert das alte, kapitalistische Arschloch von Fletcher, eine 100 Prozent dreckig dargestellte Figur und ein bisschen dumm dazu, aber das sind sie hier alle und tapsen nur mehr oder weniger geschickt damit in der Weltgeschichte herum, er mit seinem Kanal 8.

Außerdem sitzt in den Räumlichkeiten von Kanal 62 bereits ein freakiger Tüftler, der sich noch als hilfreich erweisen wird, wie Fletcher sich in seiner Medien-Monopol-Stellung bedroht sieht.

Ein gutes Herz kann jedoch, wie die blinde Sau eine Eichel findet, auch mal einen Hauptgewinn ziehen. George hat ein gutes Herz. Deshalb engagiert er Stanley als Hausmeister, einen im normalen Leben kaum brauchbaren Typen, ein langer Komödien-Lulatsch mit breiter Lache und einem merkwürdig gebuckelten Körper, wenn er sich bewegt, mehr Karikatur als Mensch, aber mit überströmender Direktheit gesegnet.

Stanely wird in einem Krisenmoment in eine Sendung einspringen und von da ab geht’s stetig bergauf mit Kanal 62.

Der liebenswürdige, gutgläubig-naiv-großäugige George wird gezeichnet als ein bebrillt verträumter Lockenkopf, der vor lauter TV-Arbeit seine eigene Hochzeit vergisst.

Der Film ist gespickt mit Querverweisen auf TV-Werbung, auf Kinofilme, auf Talk-Shows, die 1989 bekannt und populär waren. Aber auch ohne die Kenntnis derselben mag die DVD mit all der Patina, die der Film in über zweieinhalb Jahrzehnten angesetzt hat, Vergnügen bereiten, lässt genügend Zeit für Sprüche eines heutigen geneigten Publikums, das Spaß am Spaß haben mag.

Was ist der bessere Unterhaltungsfilm? Doch derjenige, der hemmungslos all die bereits hemmungslos überzeichnenden Shows noch weiter überzeichnet, grell und unverschämt, aber gleichzeitig herzhaft die Geschichte von einem Verlierer und Träumer erzählt, der mit viel Ungeschick, einem kleinen Quäntchen Glück und einer reinen Seele es den ganzen Kapitalistenschweinen zeigt und so doch noch zu Potte kommt in diesem Leben. Seinem Hausmeister blüht eine angemessene Oscarstatue, wie nur die Provinz sie erfinden kann.

Eine Welt voller Provinztrottel und Semiprofessioneller, mit der der Glücks- und Drehbuchschreibergott ein Einsehen hat.

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