Unterwegs mit Jacqueline

Mit kalkulierter Naivität entwaffend wider den tierischen Ernst und mittenmang ins Herz mit einem großartigen Naturkomiker, Fatsah Bouyahmed als Fatah, der sich mit seiner Kuh Jacqueline von Algerien über das Meer aufmacht nach Marseille und von dort zu Fuß nach Paris zur Landwirtschaftsmesse und der seine Komik aus einem wachen, klaren Geist in einer Durcheinanderwelt bezieht, wenn ihm nicht gerade der „Willi“, der Alkohol, einen üblen Streich spielt, dessen Folgen er aber genauso mit seinem klaren Kopf wieder ausbügelt. Fatah hat einen unverkrampften Zugang zur Kreatur, wie sein selbstverständlicher Umgang mit der Kuh (hoffentlich hat sie nicht allzu sehr gelitten unter den strapaziösen Dreharbeiten!) zeigt.

Mohamed Haimid, der Autor und Regisseur des Filmes, beginnt die Geschichte in einem abgelegenen Lehmhäuserdorf am Rande der Wüste in Algerien. Fatah wird eingeladen, mit seiner Kuh Jacqueline am Wettbewerb der Landwirtschaftsmesse in Paris teilzunehmen.

Die bescheidenen Lebensverhältnisse zwingen ihn, von Marseille aus zu Fuß zu gehen; das Dorf unterstützt ihn und wird über Telefon, Skype, Twitter und Facebook lebhaft Anteil nehmen an seiner abenteuerlichen Reise.

Unfreundlich empfangen wird er von Schwager Hassan, Jamel Debbouze, dem Besuch aus der Heimat nicht passt, weil das Dorf nicht wissen soll, dass er mit einer blonden Französin verheiratet ist und mit ihr zwei Kinder hat.

Auf seiner Reise wird Fatah Erlebnisse mit einer netten Bäuerin, die ebenfalls Jacqueline heißt, haben, er wird einem Magier begegnen und der Alkohol trägt ihm eine peinliche Fotostrecke ein, die zuhause für Aufruhr sorgt und den Zusammenhalt seiner Familie gefährdet.

Zu seinem ständigen Begleiter wird bald der hochverschuldete Gutsbesitzer Monsieur Philippe, Lambert Wilson, der in seiner Einsamkeit die Menschlichkeit an Fatah entdeckt und von ihr fasziniert ist.

Fatah gerät in Bauernproteste hinein. Hier wird der Kern gelegt für einen sich stetig steigernden Medienhype, einen Buzz, der sich zum eigenen Akteur im Erreichen des Zieles von Hassan entwickelt und ihm zu einem guten Ende verhelfen wird.

Was Fatah an Frankreich verblüfft, dass hier offenbar jeder eine Depression hat, während er sich über das Fernsehen in Algerien aufregt, dass hier nur Männer mit Schnauzbärten zu sehen seien, sogar in Kinderanimationsfilmen. Aber eine Depression hätte er schon auch gern. Das ist der Ernst der Klamotte.

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