Streetdance New York

Musikfilm mit den Zutaten: klassisches Ballet, klassische Geige und Hip Hop, britischer Straßengeiger ohne Aufenthaltsgenehmigung in New York (Nichoals Galitzine als der zum Schmachten süßliche Johnnie), höhere Tochter als Ballettstudentin an der feinen Ballettschule (Keenan Kampa als Ruby); der Verlust einer Geige, der Kampf um Stipendien beim berühmten Wettbewerb, harter Besserwisskonkurrent (Richard Southgate als Kyle), gehbehinderter Ballettlehrer, dem im KZ die Knochen gebrochen worden sind (Paul Freeman als Kramrovsky, der Weisheiten zum Thema Freiheit der Kunst von sich gibt, über das Loslassen und die Defizite von Perfektion, wie soll es weitergehen, wenn diese erreicht ist?), die harte Ballettschulleiterin (Maia Morgenstern als „Madame“ Markova), die eis- und beinharte Tänzerin (Anabel Kutay als April), die hochbegabte Ballettschülerin, die auf den Motorradtrip mit dem potenten Macher nicht verzichten will und Pünktlichkeits- und somit Disziplinprobleme hat (Sonoya Mizuno als Jazzy) und schließlich die Hip-Hop-Gruppe Switchstepcrew, die direkt unterm Logis des britischen Straßengeigers wohnt und übt.

Der Film von Michael Damian, der mit Janeen Damian auch das Drehbuch geschrieben hat, führt diese Figuren und ihre beachtlichen Künste zusammen und lässt die Auseinandersetzung bei einem String- und Tanzwettbewerb um ein Hochbegabten-Stipendium kulminieren.

Damian versucht, dem Trend moderner Tanzfilme, die sich einen Überbietungswettbewerb an Hochschaukeln mit immer extravaganteren Nummern und Choregraphien bieten, zu umschiffen, indem er sich Zeit lässt für die kleinen Geschichten dazwischen, Rubys Ankunft in New York, Straßenmusikauftritte von Johnnie, wie er die Bekanntschaft mit den HipHopern macht, die mit Ruby.

Wilder geht es zu bei einem Sponsorenevent, feine Gala, feine Gesellschaft in der Oper, der Geiger Kyle spielt. Krasse Klassenunterschiede: Johnnie und die HipHoper arbeiten im Catering und bringen mit einer energiegeladenen Tanzeinlage die Tangogesellschaft durcheinander. Erst kommt es zu einem Geiger-Hahnenkampf, dann zu einem Hip-Hop-Auftritt. Durch diesen Versuch, der Musik und der Kunst einen menschlichen Humus zu geben, wirkt der Film allerdings gelegentlich etwas betulich mit einer Schlagseite zum Kitschig-Süßlichen.

Es scheint auch ein sentimentaler New York Film zu sein; offensichtlich und mehrfach in der farbunifizierten Skyline von New York ist der Nachfolgebau für die Twintowers auffällig herausgehoben und Johnnie erzählt in einer Liebesszene, dass er seinen Vater verloren hat; das Todesdatum hat er auf seinem rechten Oberarm eintätowiert, es ist das Jahr 2001, es kann sich nur um 9/11 handeln.

Sentimental sind nicht nur Johnnies Styling mit der schmalzigen Locke, dem versonnenen Hundeblick, dem reinen, feinen, blassen Teint, sentimental ist auch seine künstlerische Definition, mit der er vorgestellt wird, der Drang, Musik zu machen, Geige zu spielen, würde ihn innerlich verzehren, wenn er ihm nicht nachgeben könnte. Idolisierend.

Es scheint, Damian hängt einem Ideal von Kunst und Leben hinterher, das so nicht so richtig zusammenzubringen ist; und die Trauer darüber fließt mit ein in diese ernst gemeinte Kunstbetrachtung.

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