Väter und Töchter – Ein ganzes Leben

Frauen können ohne Liebe nicht leben (Männer schon?!), das ist die Quintessenz dieses Filmes von Gabriele Muccino nach dem Drehbuch von Brad Desch.

Wenn Frauen keine Liebe haben oder sie verlieren, so führt das zu Störungen, sie werden schwierig und brauchen Langmut und Verständnis.

Die Hauptfigur ist Kate, Amanda Seyfried. Sie ist Psychologin und hat ihre eigene Geschichte. Eine Kinderdarstellerin spielt die Szenen ihrer Kindheit. Erster Liebesverlust ist der Tod der Mutter bei einem Verkehrsunfall. Die Eltern hatten Streit.

Ihr Vater Jake, Russel Crowe, ist ein Erfolgsschriftsteller und Pullitzer-Preisträger. Er ist Epileptiker und muss deshalb für einige Monate in eine Klinik. Das ist der zweite Liebersverlust für Kate, gerade weil er ein hingebungsvoller Vater ist.

Kate verbringt diese Zeit bei ihrer Tante Elisabeth, Diane Kruger. Wie Jake Kate nach seinem Klinikaufenthalt zurück haben will, fangen Onkel und Tante an, juristisch ums Sorgerecht zu kämpfen, womit Angst vor weiterem Liebesverlust für Kate ins Spiel kommt, denn Kate möchte beim Vater bleiben.

Jake hat nach einem gefloppten Buch finanzielle Probleme und der Anwalt pocht auf fünfstelligem Vorschuss. Deshalb schreibt Jake jetzt Tag und Nacht an seinem nächsten Buch, das wird das Vater-Tochter-Problem behandeln und heißt wie der Filmtitel „Väter und Töchter“. Für Kate bedeutet dieses Schreiben ein weiterer Liebesverlust, denn Jake hat keine Zeit mehr für sie, gerade weil er wegen ihr so viel arbeitet. Die Verlegerin, Jane Fonda, ist bass erstaunt über das schnell geschriebene Buch, „in drei Monaten? – dafür brauchen andere Jahre“.

Diese Geschichte des Mädchens Kate wird zwischengeschnitten in die Szenen aus dem erwachsenen Leben und Lieben von Kate als junger Frau und Psychologin mit einem besonderen Betreuungsfall, Lucy, und ihren Männergeschichten.

Bis sie mit Cameron, Aaron Paul mit einer beachtlichen, typologischen und stylishen Schnittmenge eines Wiedergängers des Vaters, glaubt, Halt und Liebe im Leben zu finden.

Ihr Erwachsenenleben wird geprägt von Echos auf die Liebesverluste der Kindheit. Das wirft sie wie schicksalshaft immer wieder in Situationen, die sie Kindheitstraurigkeit erinnern lässt und vor Konflikte stellt, schier unlösbare.

Gabriele Muccino erzählt dieses Liebesgeschichte sanft wie in Watte verpackt und unterlegt sie über weite Strecke mit orchestralem Sound für große klassische Kinogefühle bis auf eine Krisensituation, in der auf die Musikbox zurückgegriffen wird und über dem Abspann spielt sie ein melancholisches Liebeslied. Untertext: man muss schon Verständnis haben für diese Frau, sie ist ja nicht von Natur aus schwierig.

Leider verleiht die deutsche Routinenachsynchronisation der Geschichte einen leichenhaften Anstrich. Die Stelle des Geburtstagsständchens für die kleine Kate im Schnellimbiss, vorgetragen von drei Köchen, die mit den Originalstimmen belassen wurden, zeigt den doch fleischlicheren Zugriff der Amerikaner, macht die Differenz an Lebendigkeit deutlich.

Jakes Cosenamen für Kate: Kartoffelchip.
Schönes Symbol für die Verbindungshaftigkeit, aber auch die Kappungsmöglichkeit der Liebe sind diese alten, damals hochmodernen Schnurtelefone.

Klang-, Gefühls- und Gedächtniswolke zur getragenen Erzählweise, die den Zuschauer in eine leicht schwingende Hängematte legt zu einem großen Liebeskonzert. Möglicherweise wird er oder vor allem sie (?) das Kino wie nach einem Heilbad verlassen: denn, „man darf niemals aufgeben“.

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