90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden

Gegenüber der vorgeblichen Komödie „Atomic Falafel“ ist dieser Film von Eyal Halfon nach dem Buch von Itay Meirson ein Glanzlicht. Während im „Atomic Falafel“ die platte Realität geschildert wird, aber so getan, als sei es eine Komödie, nutzt Eyal Halfon das Genre des falschen Dokumentarfilmes, um die unglaublichen Zustände zwischen Israel und den Palästinensern drastisch zu schildern.

Den Vorwand für diese Schilderung liefert die geniale Idee zur endgültigen Lösung des jahrzehntelang schwelenden, immer wieder von grausamen Kriegen unterbrochenen Palästinenserkonfliktes, der durch die aktuelle israelische Regierung noch weiter vom Frieden weg sich entfernt denn je: ein Fußballspiel zwischen den beiden Nationalmannschaften soll entscheiden: der Sieger darf im Land bleiben, der Verlierer muss sich eine neue Heimat suchen und ausziehen.

Dieser Prozess wird jetzt sozusagen dokumentiert. Dem kommen ständig die Divergenzen zwischen den beiden Völkern oder Staaten in die Quere. Allein schon die Suche nach einem geeigneten Stadion. Es wird sich für Portugal entschieden.

Wer darf in welcher Mannschaft spielen? Ist die Herkunft der Spieler auch lupenrein? Wie wollen die Palästinenser trainieren, wenn sie ständig an der Grenze zu Gaza hängen bleiben, schikaniert von den Israelis? Wie kann man einen israelischen Staatsbürger und Fußballer, der aber Palästinenser ist und dort spielen möchte, unschädlich machen? Wer bekommt welche Freikarten für das Spiel?

Klar ist auch, dass sich Halfon mit dieser Story ein Problem für das Ende eingehandelt hat, das so oder so eine Einstaatenlösung bringen wird. Und klar ist auch, dass er sich nicht entscheiden wird für einen bestimmten Sieger. Mehr soll nicht verraten werden, allerdings hätte ich mir für die Lösung doch etwas mehr abgründigen Zubeiß-Humor gewünscht, der sich aus der Illusionslostigkeit über die Unlösbarkeit des Konfliktes nährt.

Der Film illustriert die total zerfahrene Situation, dass eigentlich kein Gespräch zwischen den beiden Parteien möglich ist, nicht mal im Fußball, immer geraten sie sofort aneinander; weil es kaum Worte und Begriffe gibt, die nicht mit einer Bedeutung und einer Beziehung zum Konflikt belastet sind. Das ist gut für viele Pointen.

Die FIFA heißt hier IFA. Zumindest von der haben wir noch nicht gehört, dass sie korrupt ist, weil wir noch nichts von ihr gehört haben. Der Trainer der Israeli ist ein Mann namens Müller, Detlev Buck spielt ihn als einen, der sich nur für Sport interessiert und für nichts anderes.

Der Hintergrund für die Geschichte wird anfangs mit einem raschen Zusammenschnitt von Schwarz-Weiß-Fotos aus Israel und Palästina geschildert, der keinen realen Horror auslässt.

Wobei mir ein Problem scheint, dass die Palästinenser weniger zu verlieren haben, sie leben auch heute noch überwiegend provisorisch und oft ärmlichst, während die Israelis seit über 60 Jahren ihre Festung und ihr Gärtlein ausbauen, mit Siedlungen sich völkerrechtswidrig ausdehnen, mit allen Mitteln verteidigen und um sich schießen wie wild und töten dafür und mörderische Kriege mit irre überlegener Militärmacht führen. Sie haben 60 Jahre Aufbau zu verlieren.

Die Palästinenser haben Lager zu verlieren und vielleicht eine korrupte Regierung und ein Angriffsziel für Terror – das könnte die größte Leere hinterlassen. Und natürlich gibt es in beiden Ländern Protest dagegen; die Aussicht auf Veränderung erschreckt die Menschen. Da das Spiel nur fiktiv stattfindet, werden Palästinenser und Israeli fortfahren, sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen und ihre politischen Führer holen persönlichen Profit aus den Feindbildern, bauen ihren Thron auf der Armierung durch Feindbilder. Die Komödie jedoch, hat durch diese Ausgangslage einen leicht schiefen Boden, auf dem sie sich aber immer noch recht vergnüglich abspielt.

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