You Carry Me (Filmfest München 2016)

Konfus-krud-heftig knüttelt und traktiert Ivona Juka zweieinhalb Stunden lang ihr nicht allzu teures Filmmaterial, um uns massiv overacted aus dem kroatischen Alltag zu erzählen, wie laut und schreiend die Menschen miteinander umgehen, wie sie alle durcheinander reden und schwatzen (wobei die Untertitelung so wenig nach kommt wie der Leser), und wie es trotz aller Hindernisse Frauen gibt, die ihren Mann stellen wollen, die versuchen, mit Soap-Junkies Fernsehen zu machen, aber das Thema Pädophilie soll dann bittschön ausgeklammert werden.

Und wie es trotz allem noch eine Erinnerung an einen Traum von Poesie und Schönheit gibt.

Wie aber erschwerend die Demenz des Vaters hinzu kommt, der wie ein Clown ausschaut und ein Künstler gewesen sein muss. Verrückter Balkan. Der Vater bricht aus und bedient sich in der Bäckerei oder tanzt auf dem Grünstreifen der Autobahn, fängt von Hand eine Taube.

Der Mann der Regisseurin hat Hasch versteckt und die Polizei ist rabiat bei der Hausduchsuchung. Der Bub Dora träumt von Kroatien als Fußballmeister; insofern der passende Film zur EM. Die Bank zeigt sich knickrig, so dass die Fernsehregisseurin einen lauten Aufstand macht wegen 100 Kuna, die ihr verweigert werden.

Die Umgangsformen der Menschen untereinander sind grob und dann gibt es wieder hysterische Ausbrüche, wenn der Vater die Tochter rausschmeißen will, viel Energie in Wut investiert. Während Nastasa wohl schwanger und Fernsehproduzentin ist. Niemand versteht allerdings, warum die Regisseurin, Ives, so wie sie uns präsentiert wird, vom Team und der Crew geliebt werden soll, wie die Produzentin sagt.

Das sind Mittel, um zu erzählen, wie verkommen Kroatien ist und dass starke Frauen dort vergeblich kämpfen.

Ives, eine zur Verzweiflung getriebene Frau.

Der finstere Daddy von Dora, der vier Jahre weg war, sich nicht um die Kinder gekümmert hat, der mit Drogen dealt, voll tätowiert ist, sich in Kneipen rumtreibt und abstreitet, dass er trinkt. Toilettensong. Daheim die böse laute Mutter, geifernde Oma, zerwühltes Haus. Und Ehekrach mit heimkehrender Lidia. Vater ein Rumbumser. 45 Minuten Disneyland durch Droge. Männer Pussys, Kneipe, Stoff auf Alu erzhitzen und rauchen. Trip. Dora checkt, dass Dealen einträglich ist. Shit. Shittrance der Kids im leeren-Stadion.

Sturz, Vater-Sohn-Idylle im Krankenhaus. Dann sucht er Job in Fitnesscenter. Schnittverhau zwischen Kinderschlacht der Termopylen und Knutscherei der Regisseurin in der Kulisse des TV-Sets. Krach Mutter-Kinder, nachdem Vater abgehauen. Vater, ein Finsterling. Der Krieg hat die Kroaten kaputt gemacht.

Schwangere hält schon mal eine Ansprache an Baby in ihrem Bauch, recording.
Mutter-Sohn-Liebe: besser als die Storylines der Daily-Soap.
Und dann wird’s, weil es so modisch ist, noch eine Tumorgeschichte.

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