Fängt an wie eine poetische Dokumentargeschichte: der blinde alte Mann, der allein auf der einsamen Insel Hanare an einem Stück Strand Muscheln sammelt.
Das Dokumentarische wird unterfüttert mit Infos, wie viele Muschelsorten, über 111’000, und dass es Muscheln schon seit 500 Millionen Jahren gibt. Er hat eine schöne Sammlung. Der alte Mann als blinder Forscher, der auf einer Schreibmaschiene in Blindenschrift seine Untersuchungen und Erkenntnisee protokolliert – und bewundernd kenntnisreiche Texte zu den Muscheln und der Philosophie über sie erstellt.
Zum dokumentarischen Input tragen bei: der Schwenk über sein Atelier, seine Werkzeugsammlung, wie er das Weiche aus den Muscheln herauspuhlt, wie er die Muscheln reinigt. Auch der Versorger, der mit dem Schiff kommt, Post bringt, Post mitnimmt, und hartnäckig das Trinkgeld erst annimmt, wenn es eine Note ist, verleiht der Story Bodenständigkeit, Realität.
Zum Realismus trägt auch seine Behausung bei: ein Rundbau, wie man ihn bei Polarforschern gesehen hat.
Dazwischen gibt es immer wieder faszinierende Muschelbilder. Oder großartige Aufnahmen, wie er mit seinem Krempenhut, halb im Wasser stehend, seine Botaniersierbüchse umgehängt, mit einem krummen Holzstock sich vortastend ein Felststück im Wasser sucht und gezielt unter dem Vorsprung eine Muschel aus dem Wasser holt.
Dann spült ihm der Pazifik eine Frau an den Strand. Izuma. Wie eine Muschel betastet er sie. Mit ihr findet das Artifizielle Eingang in die Erzählung, besonders in dem Moment, wo sie sich ihm in idyllischem Nachtlicht nackt präsentiert, wird dieser Umschwung greifbar.
Izuma behauptet ausgepumpt, leer wie eine Muschel zu sein. Sie könne nicht mehr malen. Der Biss einer giftigen Muschel heilt sie unversehens. Sie fühlt sich wie neu geboren, die alte Schaffenskraft ist zurück. Sie malt ihm, dem Blinden, eine wunderbare Muschelzeichnung an die Wand.
Die Heilung Izumas spricht sich herum. Immer mehr Kranke pilgern zu Insel. Der Muschelsammler zieht die Massen an und verleitet den Filmemacher Yoshifumi Tsubota, der eine Kurzgeschichte von Anthony Doerr zum Drehbuch umgeschrieben hat, vom Dokumentarischen in willkürlich flunkerndes Storytelling überzugehen. Was soll’s, Insel-, Muschel- und Wasserbilder beruhigen das Auge des modernen Stadtmenschen.