The Find (Filmfest München 2016)

Russischer Irrationalismus feinst filettiert und offengelegt von Viktor Dement nach der Geschichte von Vladimir Tendryakov.

Schön gedacht, einen unzugänglichen, widersprüchlichen Charakter in einer schwer zugänglichen Gegend in den Mittelpunkt zu stellen, Trofim, Aleksey Guskov als Fischereiinspektor am Push-See.

Kamerakopteraufnahmen können in unzugänglichen Gegenden von Wald und Seen immer noch erleichternd wirken. Denn Trofim nimmt es unkontrolliert überernst mit dem Gesetz, dem er Nachdruck verleiht, wenn es um andere, um arme Fischer geht; sich selbst gegenüber ist er großzügiger. Es gibt Gerüchte. Die sind nicht schön. Die Fischer mögen ihn nicht. Seine Ehe ist nach 30-Jahren totgelaufen. Tochter Irina aus dem Haus verstoßen. Ungutes rumort in diesem Mann.

Er will in den entlegensten Winkeln den kleinsten, illegalen Fischfang für den täglichen Bedarf hart bestrafen. Dazu fährt er mit dem kleinen Motorboot los, bewaffnet mit der Flinte und einem Inspektionsformular.

Bei einer dieser Reisen, wie er wütend die bescheidene Fischsuppe aus dem Kessel der Landstreicher kippt und mit Gefängnis droht, wird er niedergeschlagen. Wie er zu sich kommt, ist das Boot weg. Er muss zu Fuß zurück. Er kennt sich aus in der unwegsamen Gegend.

In einer eilig verlassenen Hütte findet er ein Kind, einen Säugling. Dieser erfriert ihm auf dem Weg zurück. Trofim zerfließt vor Selbstmitleid, denn diese Bitch von Frau, die das Kind verlassen hat, sei schuld, dass es gestorben sei. Diese Situation erweckt immerhin Gefühle in ihm, die die Basis für die Läuterung bilden. Ohne den eigenen Schmerz, so die Indikation des Filmemachers, ist Entwicklung nicht möglich.

Viktor Dement hat diese Geschichte schön gedacht und mit Bedacht ins Bild gesetzt und inszeniert. So drastisch der Charakter von Trofim angelegt ist, so konsequent wird Dement dem Filme die Wende zum Läuterungsfilm einbrennen, auch das gehört zur russischen Seele, die der Film in Bildern, die ans Eingemachte gehen, offenbart. In der russischen Taiga-Landschaft und mit den häufigen Kamerakopteraufnahmen ist die Geschichte weich und schön gebettet. Wie heißt es doch: das Auge isst mit.

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