The Black Hen (Filmfest München 2016)

Die Krux solcher vielfältig international-westlich geförderter Dritte-Welt-Filme ist die, dass sie zwar auf ein Unrecht im einem abgelegenen Winkel der Welt aufmerksam machen, hier auf den Civil War zwischen 1996 und 2006 im Norden Nepals und an die Opfer erinnern, dass sie das aber so zahnlos tun, weil sie keinem weh tun wollen, ja, weil sie vermuten, der fördernde Europäer, hier sind es die Schweiz, Deutschland und Frankreich, möchte nur eines aus diesen Ländern sehen: wie armselig die Leute da leben und Folklore dazu, Hochzeiten, Beerdigungen, Feste, religiöse Zeremonien, altertümliche Speisenzubereitung.

All das bekommt er und noch mehr geboten in diesem Film von Min Bahadur Bham. Nur eines nicht: keine Hintergründe, keine Einsicht in die Verwicklungen hinter so einem Zivilkrieg. Hier gibt es nur die bösen Maoisten, die Nepal infiltrieren, die junge Menschen aus den Dörfern zwingen, bei ihnen mitzumachen. Im Gegenzug taucht die Armee auf, lässt den Dorfladen schließen, weil er auch mit den Maoisten Handel getrieben habe.

Was bleibt, ist eine niedliche Geschichte vom Jungen, Prakhash, der faszinierend alt und erstarrt wirkt. Er möchte eine Ausbildung machen, studieren. Aber man ist arm im Dorf. Also kauft er mit Hilfe seiner Schwester eine Henne. Mit dem Verkauf der Eier will er seine Ausbildung finanzieren. Er steckt mit seinem Freund Kiran zusammen.

Doch der ungebildete Vater verkauft die Henne an den Großvater. Jetzt setzt Prakash alles daran, sie zurückkaufen zu können. Dazu sind mithilfe seines Freundes nicht ganz saubere Tricks vonnöten.

Dabei bekommt man zu sehen, wie einfach diese Menschen gekleidet sind, was für eine Sensation eine Filmvorführung im Dorf ist, die tagelang vorher angepriesen wird, dass es nur ein öffentliches Wahlscheibentelefon gibt, das unter einem Vordach baumelt, dass die Häuser keine Elektrizität haben, die Schule nur aus Bänken besteht, dass die Kinder Seilziehen spielen, dass es eine öffentliche Waschgelegenheit gibt. Das alles ist pittoresk, erinnert in manchen Innenbildern an Bilder von Albert Anker, aber es gibt auch Einblick in das Kulturprogramm der Maoisten und einen grotesken Showauftritt von diesen und die Info, dass es Unberührbare gibt.

Als Zugabe noch etwas Landschaft, eine schöne Hängebrücke, einen Tempel für den westlichen Kulturhunger und ein Zug von Menschen auf der Flucht mit Sack und Pack und Pferd statt dem mehrfach versprochenen Fest Dashain, dazu war das Förderbudget der reichen Europäer dann wohl doch zu knickrig; Hauptsache es reicht zur Beruhigung des schlechten Gewissens.

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