Psycho Raman (Filmfest München 2016)

Die Geschichte des Massenmörders Raman Raghav aus den frühen 60ern nimmt Anurag Kashyap, der mit Vasan Bala auch das Drehbuch geschrieben hat, zum Anlass für eine ausufernd-extensive Betrachtung der Töttriebes im Menschen anhand eines aktuellen Serienkillers, der selbst durch Raman sich inspiriert fühlt, und eines seelenverwandten Polizisten.

Der Stil ist in der Nähe eines Musicals aber auch in der Nähe von Videoclips anzusiedeln und wird mit dem reichlichen Fundus an Filmtalent, das in Indien wuchert, gekonnt bestückt.

Die Musik deutet zudem auf viel Geheimnis in der Geschichte, die aus 8 Kapiteln besteht und den Bogen vom eingesperrten Mann über desssen Familienbeziehung zum Polizisten, der auch nur ein Sohn ist, bis zur Seelenverwandschaft zwischen den beiden spannt.

Der Polizist ist ein Darsteller mit nicht eine Faser Fett am ideal-athletisch geformten Körper. Er trägt immer Sonnenbrille und sieht vor allem unverschämt gut aus. Nur die indischen Frauen, die auch vorkommen, die stehen als einsame Leinwandgöttinnen noch einen Mü makelloser drüber.

Die Männer haben in Abgründe geschaut, lernen die Freuden des Tötens kennen. Das kommt bei einem Verhör zum Ausdruck, wie der Befragte Raman auf die Töterlaubnis seiner Befrager als bewaffneter Polizisten zu sprechen kommt. Überhaupt spielt er raffinierte Psychospiele mit seinen Befragern, treibt sie zur Verzweiflung, sie wissen gar nicht mehr, können sie ihn noch ernst nehmen oder nicht. Wie es so eine Sache mit dem Töten ist, wenn einer frei und frank drüber erzählt, wie er eben auch nicht zufällig irgendwen töte.

Deshalb sind Verwandschaftsbezeichnungen ein hervorragendes Merkmal der Kapitelisierung. Offenbar hängen Töten und Lieben, Blutsverwandtschaft, also die intimst möglichen menschlichen Beziehungen, doch eng mit einander zusammen (da wäre jetzt ein Blick auf die Tötstatistiken zu werfen, mit dem vermutlich wenig überraschenden Befund, dass Beziehungsgdelikte am häufigsten sind).

In diesem Sinne ein Erkenntnisillustrationsfilm, indisch opulent, indisch schnell wie langsam zugleich, indisch ausführlich und doch rasant im Schnitt und der Kombination, in der Leichtigkeit des Einsatzes von Musik und Licht und auch der Emotion der Darsteller.

Ein Film ausdrücklich nicht über den Massenmörder Raman Raghav, an dem der Titel sich orientiert. Wirkt wie ein Impromptu zu dem Thema, versehen mit einem 10-minütigen Prolog vor dem Titel, die Suche nach dem Onkel.

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