Oscuro Animal (Filmfest München 2016)

Im Dschungel Amazoniens gibt es Zeit, ganz viel Zeit, so viel Zeit wie es Grün gibt, die Zeit scheint hier nachzuwachsen wie das Grün. Selbst das Duschwasser auf eine nackt Frau wirkt wie verlangsamt. Später berührt die Frau, angezogen, den Buchstaben A der Mauerinschrift ACC auf einer einfachen, blau angemalten Ziegelhütte.

Der Film wurde vom Hugo Bals Fond mitfinanziert. Er zielt vielleicht auf Festivalmacher. Jetzt marschiert die Frau mit der hellen Bluse und dem rötlichen Röckchen durch niedriges Gebüsch. Dann sitzt sie aufrecht auf einem Bett. Keine Regung. Der Filmemacher zelebriert mit dieser Frau ein bedeutungsvolles Dschungelleben, was es so vermutlich nicht gibt.

Eine dunkle Flüssigkeit rinnt durch einen Sandweg. Die Kamera hat wieder ein Interieur entdeckt, das sie langsam absucht. Menschliche Schmerzensgeräusche sind zuhören. Ein Kind weint, kauert gekrümmt auf einem Bett. Es ist kein Kind, es ist eine Frau. Die Frau hat ein Problem. Mit ihr stimmt etwas nicht. Jetzt lehnt sie sich an eine Hauswand.

Sie steht vor einer primitiven Anrichte. Ein Mann kommt ins Bild und dreht das Radio an. Der Mann schwimmt im Fluss, anständig mit Badehose, kommt mit Pneu raus. Soldaten kommen und ziehen sich aus. Sicher kann man jetzt andächtig vor diesem Film sitzen und glauben, man habe es mit Kunst zu tun.

Es gibt immer unterschiedliche Stufen filmischerzählerischen Könnens. Die Frau hat vom Mann einen stürmischen Kuss bekommen. Jetzt liegt sie in der Hängematte und guckt zu den drei zerzausten kleinen Puppen, die am Boden liegen.

Das Spannendste an disem Film ist vielleicht und auch das erklärendste daran, sein Exposé, mit dem Felipe Geurrero die vielfältigen Fördergelder aus Argentinien, Deutschland, Griechenland, Kolumbien und den Niederlanden freischaufeln konnte. Jetzt hat der Mann die Frau aus der Hängematte gerissen und macht sich an sie ran. Sie ist Objekt für ihn. Sie leidet darunter. Sie tötet den Mann.

Jetzt gibt es jede Menge verpackter Leichname, die im Dunkeln durch den Dschungel getragen werden, so dunkel, dass auf dem Bildschirm des Rechners schier nichts mehr zu erkennen ist. Das Feuer eine Minute später dagegen schon.

Bis jetzt ist etwas über eine halbe Stunde vergangen. Und dia- und monologlos lastet Schuld über dem Rest des ruhigen Filmes aus dem Amazonas. De Buchstaben ACC verleihem dem Dschungel ein hässliches Gesicht. Aber vielleicht ist auch sie, die Frau, die Protgonistin das dunkle Tier. Es setzt ein Song mit dem Wort allegria ein und damit der Abspann.

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