Orestes (Filmfest München 2016)

Der Film erinnert an Die Moskauer Prozesse, unterscheidet sich jedoch in der Methode; denn hier geht es um einen fingierten Fall, nach der griechischen Tragödie Orest entwickelt und von realen Anwälten und Verteidigern verhandelt, die Darsteller wiederum haben reale Erfahrungen mit Unrecht einer Diktatur oder der Polizei gemacht.

In zwei vorbereitenden Kapiteln werden die Realfiguren in Diskussionen und Statements vorgestellt; die ganze Palette der Grausamkeiten der Diktatur kommt vor, geheime Gefängnisse, Folter, merkwürdige Akten mit unglaubwürdigen Todesarten; Polizisten, die auf Jungs schießen, die keine Gefahr für die Polizei gewesen sein dürften. Und das Thema Rache wird emotional diskutiert.

Diese zwei Kapitel können auch gelesen werden als ein Beispiel dafür, wie hervorragend das lateinamerikanische Kino, in diesem Falle das brasilianische, eine Kultur der Vergangenheitsbewältigung in Forn von Diktaturaufarbeitungsfilmen entwickelt hat.

Im dritten Teil kommt es zum fingierten Prozess. Da halten echte Staatswanwälte lange Plädoyers. Die können nichts dafür, dass solche Dinge im amerikanischen Kino spannender zubereitet werden.

Vielleicht war es von Rodrigo Siqueira, dem Autor und Regisseur dieses Projektes, nicht unedingt geschickt, zu den Plädyoers Zuschauer oder Richter einzublenden, die eher Mühe haben, zu folgen oder sich zu interessieren.

Hinzu kommt für den nicht portugiesisch Sprechenden die Schwierigkeit, die eh nur kurz aufscheinenden Unterittel bei hellem Untergrund kaum lesen zu können.

In den vorbereitenden Kapiteln werden die Themen Betrug und Rache diskutiert. Es wird auch ein ehemaliges geheimes Foltergefängnis besucht. Und immer wieder bricht Emotionalität sich die Bahn. Auch das Thema Schmerz wird angesprochen sowie die Themen Töten und auch die Todesstrafe.

Einleitend wird erwähnt, dass im alten Griechenland der Fall Orest die historisch erste Gerichtsverhandlung gewesen sein, ab welcher nicht mehr das Prinzip Auge um Auge oder das Prinzip Töten oder Getötet werden galt, welches die Zahl der zivilen Opfer ständig erhöht. Und Traumatisierung: einer der als Bub 1973 Zeuge eines Verbrechens geworden ist, wie der Vater die Mutter umgebracht hat.

Ein weiteres Problem scheint mir, dass die verschiedenen Originaldarsteller mit ihren speziellen Situation nur fragmentarisch vorgestellt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.