Oleg y la Raras Artes (Filmfest München 2016)

Dokumentation des Spaniers Andrés Duque über den russischen Komponisten Oleg Karavajchuk, der Dutzende von Filmmusiken komponiert hat.

Der Dokumentarist lässt dem Porträtierten den Vortritt, hält sich selbst weitgehend raus. Er macht aus dem Künstlerportrait ein einzigartiges, filmisches Kusntwerk, das vom Porträtierten lebt.

Duque lässt den Komponisten erst in seiner phyischen Erscheinung auf uns zukommen. Ein faszinierender Gang eines wie unscheinbaren Männchens durch einen langen, prunkigen Flur in der Ermitage in Petersburg. Eine Figur, die sofort fasziniert, die im Gehen wie eine Reserve eingebaut hat und den Eindruck erweckt, auch anders zu können. Und weich, wie schwebend fast, als ob eine unsichtbare Hand sie auf einer rollenden Unterlage hereinschiebe.

Karavajchuk bleibt vor der Kamera stehen, schimpft erst über den Schne draußen, erzählt, was Kunst in einem auslösen könne, wie sie ihn verwandle, wenn er von draußen in diese Hallen mit den Gemälden komme, die den Atem der Vagina von Katharina der Großen atmeten und wie Frauen doch einen ganz anderen Zugang zu Kunst hätten. Er erwähnt wie nebenbei, dass er hier 29 Jahre Auftrittsverbot hatte. Da seien die Leute eben zu ihm nach Hause gekommen.

In der nächsten Szene wird er an einem goldenen Flügel in der Ermitage spielen.

Später wird er erzählen, dass er immer schon kleine Mädchen geliebt habe und dass er dafür in der Schweiz wohl sofort verhaftet worden wäre; darf als Anspielung auf Polanski gelesen werden.

Im nächsten Kapitel ist Karavajchuk in seinem verwunschenen Hexenhäuschen zu sehen. Er erzählt von Nachbarn, die einen schönen Baum gerodet haben, bloß weil sie eine Sauna bauen wollten. Er lästert über die klassische Musik und freut sich darüber, dass sie dabei sei, einen langsamen Tod zu sterben.

Er unterscheidet zwischen komfortabler (damit kann jeder Applaus erhalten oder ein Konservatorium gründen) und unkomfortabler Musik. Später wird er über Harmonie und Dissonanz philosophieren und überhaupt darüber, was die Musik unter der Haut anrichtet.

Das Häuschen, in dem er wohnt, liegt in einer Künstlersiedlung, in denen Künstler von Lenin und Stalin erlaubt wurde, zu wohnen; auch Tarkovsky habe hier gewohnt und viele andere berühmte russische Künstler.

Eine lange Kompositionspantomime folgt und Karavajchuk wird noch über den Zusammenhang zwischen der Musik und der Haut, resp. darüber, was auf der Haut liegen soll, nämlich ein gutes Hemd, philsophieren.

Eine Figur, wie aus einer anderen Welt, wie aus einer anderen Sphäre; insofern verständlich, dass der Dokumentarist sich behutsam im Hintergrund hält, man merkt, es ist ihm fast unangenehm, wie er einmal einen Satz einwirft. Auch der vom Komponisten erwähnte Viktor, der offenbar tontechnisch wichtig ist für die Aufnahmen, nicht mal den bekommt man zu sehen. Die Leinwand gehört dem Komponisten, der jetzt weit über 80 Jahre alt ist und mit merkwürdigen Dissonanzen in seiner Stimme spricht – nicht zu erwarten, dass das Zufall ist.

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