O Prefeito (Filmfest München 2016)

Spaßige Kunstperformance aus und zu Rio de Janeiro für Riofans und Riophile.

Bruno Safadi stellt einen Darsteller im Smoking und aufgemacht wie ein amerikanischer Filmstar hinter einen feinen Mahagoni-Schreibtisch mit kostbaren Utensilien und einem Skizzenbuch darauf in eine Baustelle mitten in Rio. Um ihn herum nur Steine und eine kleine Fläche vornehmlich mit zuckerhutförmigen Steinen bestückt, mit denen die Skyline der Stadt nach- und vorgestellt werden kann.

Der neue Bürgermeister ist eben erst im Amt. Er hat einen Assistenten, der ihm das Telefon reicht. Der erste Anruf kommt vom Präsidenten, pardon von der Präsidentin.

Es scheint tatsächlich, dass Rio eine Baustelle ist. Der neue Bürgermeister, der prefeito, will alles besser machen, er träumt von einer Transformation der Stadt. Über den Medikamentenkonsum ist er zur Politik gekommen. Seine Inspiration ist eine Muse, eine irreal-surrealistisch-visionäre Frauenerscheinung, die ihm den Kristall der Erkenntnis in einem kostbaren Kästchen überreicht.

Er möchte Rio zu einer Metropoloe der Toleranz, der Freiheit und der Gerechtigkeit machen. Er merkt schnell, dass das ein komplizierter Vorgang ist. Er möchte Rio aus Brasilien herauslösen und kalkuliert gleich mit, wer dabei die Gewinner und die Verlierer sein werden. Er orientiert sich an alten Postkarten von Rio, am kolonialen Protz und möchte diesen wiederherstellen.

Bruno Safadi hat diese Kunstperformance inszeniert und eigenwillig verfilmt. Zum Teil lässt er Szenen mit Standfotos erzählen, die in Schwarz-Weiß sind. Die Tonspur variiert vom penetranten und ausdauernden Hämmern eines Pressluftbohrers bis zum vollbauchigen, klassischen Orchestersound.

Safadi kritisiert die Zustände allgemein, unspezifisch. Er betreibt generelles Politikbashing. Er stellt klar, dass diese Art von Weltverbesserung weltfremd bleiben dürfte, denn sie ist reine Phantasie mit einem Anflug von Künstlertum. So beugt er der Realisierung vor und lässt seine Kunstfigur gleich zum Gipsdenkmal erstarren; vielleicht, weil Safadi glaubte, seine fröhliche Frotzelei mit dem Politikergrößenwahn zwischen Vision, Halluzination und Tablettentrip ginge bereits zu weit?

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