Mate-me Por Favor (Filmfest München 2016)

„Und die Gattin aus dem richtigen Leben hat die Gattin aus dem Seifenopfern-Leben erdolcht.“ Das ist nur eine Geschichte aus der Trabantenstadt Barra von Rio de Janeiro mit der filmschön Einsamkeit signalisierenden U-Bahn-Station „Golfe Olímpico“, die bis heute nicht eröffnet ist.

Idylle auch, da es um die Ramassierung von Hochhäusern herum viel Leerland gibt. Wiese, Sand, Natur. Hier kann sich die Jugend sammlen, rumhängen, kann über die Liebe reden, ratschen, kichern. Kann Ängste und Vorfreuden bequatschen. Kann sich von diversen Morden in der Gegend in Blutphantasien ergehen.

Ein Mädchen hat die Eigenart, immer allein zu Fuß nach Hause zu gehen. Mädchen allein an Autostraße nachts, ein beliebtes Motiv im Horrorfilm.

Die Religion kommt vor, voller Überzeugung und Emphase wird Zeugnis abgelegt. Sie ist Teil des Lebens.

Ein junges Paar kann es nur in den Schul-Pausen und tagsüber treiben, wenn gerade niemand zuhause ist. Einer der wenigen Männer nebst ein paar hübschen Jungs, Roberto, ist etwas älter, sucht Internetkontakte.

Wir sehen die frischen, hübschen Mädels in der Gruppe, im fast-noch-Kinderzimmer, im der Shopping-Mall, im Brachland vor der Hochhausskyline, in der Schule, in der Kirche, in der Disco.

Anita Rocha da Silvereira reiht einen bunten Bilderbogen, heftig muskalisch untermalt, aneinander, immer die Jugend im Blick, die Sehnsucht in ihren hübschen Augen, die Angst, die Unsicherheit, die Hoffnung. Gedichte, Symbolik, toter Vogel, künstlerische Blutfantasien, Zeitlupe, Song über das Blut und das kirchliche Wort, dass Barra nicht Sodom sei, Gedenktafel an die Opfer, denn es gibt immer wieder Morde.

Aber auch Frauenhandball, Technogymnastik, das Wort des Pastors, Blut sei Leben oder Betrachtung einer Toten, Alptraum von der Vergewaltigung und immer wieder dunkle Stimmungen, Nachtstimmung von draußen, von der Straße, Horrorkulisse, die einsam beleuchtete S-Bahn-Station.

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