MA (Filmfest München 2016)

Who can find a virtuous woman? Buch der Sprüche 31 , 10 – 31.

Einen Film mit einem Spruch aus dem biblischen Buch der Sprüche anzufangen, erhebt den Anspruch von Content. Wer kann eine tugendhafte Frau finden? Sie ist mehr wert als die kostbarsten Perlen.

Celia Rowlson-Hall liefert mit ihrem Film die Pantomime zu diesem Bibelwort im filmgeilen amerikanischen Steppen- und Las-Vegas-Setting – und kommt zum Schluss, dass das Ziel der Frau doch ein Baby sei.

In solchen Kunstfilmen ergeht er mir manchmal wie dem Dr. Faust einerseits und einem seiner Schüler andererseits; dieser lässt sich vom Professor widerstandslos an der Nase herumführen und jener sieht sich als ein Tor, der so klug ist als wie zuvor.

Oder, was schließen wir aus diesem Film? Nicht jeder Film muss ein Triebfilm sein, nicht jede Kinoliebe eine Bumbsliebe. Wenn im Kino ein Mann und eine Frau miteinander in Beziehung gebracht werden, kann ein Kind daraus werden, ohne dass sie es getrieben haben trotz durchwühlter Motelbetten. Einwand, hat sie ihm nicht an einer Stelle einen geblasen?

Das Prinzip, was Celia Rowlson-Hall inszeniert, das ist die Keuschheut, die Tugendhaftigkeit der luderhaft kostümierten Frau. Aus der Wüste kommt sie her, da wo auch Gottes Wort her kommt, es gibt sogar eine kleine Replik auf den brennenden Dornbusch. Sie trägt rote Stiefel, ein rosa Hemdchen gerade so bis knapp an die Lenden und ein weißes Frottiertuch über den Kopf, die Haare offen.

Sie pantomimisiert sich auf eine dieser ellenlangen Straßen in der Prärie im Westen der USA. Ein Mann, lässig die Zigarette aus dem Mundwinkel hängend, kommt in einem breiten Amischlitten daher. Sie stellt sich ihm in den Weg. Kriecht auf die Motorhaube, drückt ihr Gesicht an die Frontscheibe. So fährt er mit ihr zum nächsten Lodge. Die achtlos weggeworfene Zigarette steckt einen kleinen Busch am Straßenrand in Brand.

Es folgen Begegnungen, Annäherungen, kindische Spiele wie Blinde Kuh, Matratzenhüpfen, die Köpfe ganz nah aneinander vorbeidrehen ohne Berührung, ohne Kuss; Schlangenbeschwörerspiel, Kraftübungen des Mannes, Liegestütze, er spielt Gorilla, nähert sich ihr, brunftet sie an; er will Triebbefriedigung, er onaniert im Auto bei Regen.

Sie landen in einem zweiten Motel, ein Zimmer mit zwei Betten. Eine Schwangere steht vor einem anderen Zimmer, aus ihr rinnt Sand, den der Zimmerservice gleich wegputzt, noch bevor einige Kinder richtig zu spielen anfangen können, Sand rinnt aus einem Gemälde, aus dem Wasserhahn, Symboliken – aber wofür? Für die Tugendhaftigkeit?

Er aber schwimmt gerne. Sie springt auch einmal ins Wasser, spielt die Wasserleiche. Plötzlich ist das Zimmer voll mit kräftigen Männern. Die Versuchung? Es gibt wilde Party, der Mann besteigt eine Frau. Das Zimmermobiliar wird halb ausgeräumt. Eine Karawane setzt sich mit diesen Gegenständen in die Sandwüste in Bewegung.

Die Frau spielt im Zimmer weitere Pantomimen bis hin zur Selbstfesselung auf einem Stuhl. Sie schneidet sich die Haare. Am Schluss geht sie in Männerkleidung, ähnlich jener ihres Pantomimepartners gen Las Vegas, landet in einem Tempel der Lust, unangefochten. Und ich sehe, dass wir nichts wissen können (Faust).

Einschubbild: eine Frau mit Krug in langem traditionellen Gewand trägt einen Krug über ausgetrocknete, rissige Erde und gießt Wasser in ein Loch. Weiteres Symbolbild für die Tugendhaftigkeit? Zwischendrin spielen Kinder mit Autreifen. Und viele weiter Einfälle in den Motelzimmern. Dazu ab und an bedrohliche Beschallung aus einem Fernseher, der nur ein Flimmerbild zeigt.

Der Mann ist ein Hinkemann. Der Mann, der nicht ficken darf, ein Hinkemann? Und: Ansätze zu Striptease und Szenen in Unterwäsche. Negativfolie des Liebes- und Beischlaffilmes. Antitriebsfilm.

Die Wand, an der wir die Tugendhafte am Schluss mit Baby sehen, sieht aus wie die Rückwand eines Filmstudios.

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