Losers (Filmfest München 2016)

Bulgarien gehört zu den Verlierern der modernen Gesellschaft. So sehen es einige Jugendliche in einem nicht unbedingt prosperierenden Nest. So sieht es (leicht selbstmitleidig?) Ivaylo Hristov, der Autor und Regisseur dieses Filmes.

Dieses rückständige Bulgarien mit seinen aufgelassenen Industriebrachen, vergammelten Tankstellen, mit den vielen leeren Straßen und Plätzen, mit der Ödnis ruinenhaften Mauerwerks bietet eine großartige Kulisse für diese Coming-of-Age Geschichte mit einem leisen Beiklang von Romantik und Sentiment.

Elena ist die treibende Hauptfigur. Sie hat ein gestörtes Verhältnis zur Mutter, die nicht mit dem Erwachsenwerden der Tochter umgehen kann und sich schon gar nicht davon abhalten lässt, ältere Männer als Liebhaber mit nach Hause zu nehmen.

So fängt der Film an: Elena marschiert in der Schule von Klassenzimmer zu Klassenzimmer und holt jeweils eine oder zwei Schüler heraus, auf Geheiß des Direktors, wie sie sagt. Die Clique verbringt anschließend die Zeit damit, in einer vergessenen Unterführung Musik zu hören.

Der zweite Protagonist ist Koko. Sein Problem scheint zu sein, dass er seriös ist. Er hütet die demente Oma zuhause, die ständig abhaut; seine Eltern machen gerade Urlaub in Griechenland. Man ist über Skype in Kontakt.

Die Band Kislorod hat sich auf ihrer Tournee angesagt. Auch in sie bekommen wir Einblicke. Elena kann ein Plakat ergattern. Der Auftritt wird der sich andeutenden Liebesbeziehung zwischen Elena und Koko Schub verleihen. Sie möchte ins Konzert. So behauptet er, er habe zwei Karten. Die zu beschaffen, setzt eine Art schwarzer und auch turbulenter Komödie in Gang, in welcher ihn zwei Freunde unterstützen und die erst spät merken, dass sie nichts davon haben.

Elena ist die Entschiedene, Strenge, herrisch Herrschende, die genau zu wissen scheint, was sie will. Koko gerät unversehens in ihren Fokus, er mit den großen Augen und den leicht schlaksigen Bewegungen.

Dass das Konzert zu einem Count-Down und allfälliger Klärung einiger Liebesverhältnisse eingesetzt wird, ist erwartbar.

Ivaylo Hristov lässt den Generationenkonflikt zwischen den Heranwachsenden und der Eltern- und Lehrergeneration wie ein Naturgesetz erscheinen. Einmal erkennt zwar der Lehrer, dass er vergessen habe, wie er und seine Generation in dem Alter waren. Im Verhältnis von Elena zu ihrer Mutter wirkt es so, als bringe die Pubertät der Tochter die Mutter in Verlegenheit, als wolle sie diese nicht wahr haben, ja als sei sie neidisch. Oder empfindet die Jugend gar Scham, zu erkennen, dass sie just auf dem Weg ist, genau so dämlich erwachsen zu werden, wie die Eltern es schon sind, zu spüren, dass sie dabei sind, so zu werden wie die Eltern? Insofern erscheint der Film als ein Versuch der Analyse eines offenbar naturgesetzlichen, unvermeidlichen Generationenkonfliktes.

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