La Ciénaga – Entre el Mar y la Tierra (Filmfest München 2016)

Eine lichtdurchflutete Liebesgeschichte auf Pfahlbauten im Meer, das sie hier Sumpf nennen, zwischen Mutter, Muskelschwundsohn Alberto und einer jungen Frau. Auch das Thema Behinderte und Liebe, wobei das Thema Sex auseklammert wird. Die Mutter Dona Rosa, Vicky Hernández, möchte nicht, dass das frühere Nachbarskind und die jetzt schön erblühte junge Frau Giselle, Viviana Serna, Alberto, Manolo Cruz (der auch das Drehbuch und somit für sich eine Glanzrolle geschrieben hat) den ans Bett und Infusionen gebunden Sohn in ihrer Abwesenheit besucht.

Giselle arbeitet bei einer Stiftung und macht Alberto Hoffnung auf Unterstützung und sogar Besserung. Dazu bringt sie einen jungen Arzt mit. Dem gefällt sie natürlich auch.

Mutter kann dank dem immobilen, ans Bett gefesselten Alberto – ein voll ausgebildeter, gut aussehender Mann – ihre Mutterrorlle beibehalten und tut es mit aller Radikalität, zu der eine Mutter fähig ist. Alberto kann mit Hilfsgeräten zeichnen und auch mühsam sprechen oder mit einem Spiegel an einem Metallstab, den er im Mund hält, über sein Bett hinaus aufs Wasser und in die Nachbarschaft schauen.

Zwischen Mutter und Giselle kommt er nach einem Besuch zu einer ernsthaften Auseinandersetzung. Mutter möchte den Sohn für sich.

Die Erzählung ist, wenn sie nicht gerade nachts stattfindet, lichtdurchströmt, das bringen Pfahlbauten auf dem Wasser mit sich, die die schönsten Lichtspiele erlauben und auch in die Pfahlbauten kommt durch ihre offene Bauweise von überall her ein freundliches Licht herein. Für uns Mitteleuropäer sind das Urlaubsträume und als solche werden sie auch von Carlos del Castillo, dem Regisseur, präsentiert.

Man fährt per Schiff zu den Nachbarn oder zum Einkaufen. Dona Rosa selber fängt Fische, spendet ab und an einen dem Techniker, der die Geräte von Alberto überprüft. Der Nachbar, der die Elektrizität in diese Pfahlbausiedlung gebracht hat, ist laut und unhöflich.

Die Mutter von Giselle sieht deren Engagement bei Alberto kritisch, weil sie mit Dona Rosa nicht spricht. Versöhnung zwischen zwei Frauen ist schwierig, wenn ein gemeinsamner Schicksalsschlag und Misstrauen sie verbindet; darüber wird besser im Dunkeln gesprochen.

Dona Rosa selbst liebt es, sich farbenfroh zu kleiden. Alberto zeigt ihr Zeichnunen, die seine Träume darstellen, es zu schaffen, ja, wir schaffen das. Alberto gibt in seinen gekrümmten Positionen, in denen er auf dem Bett liegt, ein eindrückliches Bild des Schmerzensmannes ab. Aber sein Traum ist ein Strandausflug. Das wird eine eigene, kleine Geschichte. Malerisch ist die Verladeaktion in ein Boot mit dem entliehenen gelben Plastikstuhl vom Nachbarn als Sitz für Alberto, dazu muss eine Batterie für das Atemgerät auch die Mutter verladen werden, Aufbruch wie zu einer großen Abenteuerreise. Alberto weigert sich, vom Strandausflug zurückkehren. Mama, I love you. Das Licht ergibt malerisch weiche Bilder zu einem hochdramatischen, lichtdurchfluteten Ende.

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