Il Destierro (Filmfest München 2016)

Kleine, feine Etüde eines Kammerspiels zum Thema Mélange-à-trois.

Zwei grundlegende männliche Konzepte des Verhältnisses zur Frau werden mit einer aufgefundenen Frau konfrontiert, die selbst behauptet, sie habe zwei Freunde gehabt.

Der bodenständige Typ, der die Frau zur Befriedigung braucht und benutzt, und der Schöngeist, der Intellektuelle, der die Liebe sucht, sie nicht teilen will.

Der Ort: eine kleine Steinhütte in den weiten Höhe der Hereras.

Die geschichtliche Situation: der spanische Bürgerkrieg. Außenposten der Nationalen. Alle Roten sind Feinde und müssen sofort getötet werden. Bomber fliegen in Richtung Madrid.

Die Personen: Silvero, Eric Francés, der bereits seit Monaten auf dem Posten ist. Sein Kamerad ist gestorben (an inneren Krämpfen, wird später gefragt?). Der Versorger Paulinho, Chani Martin, der einmal die Woche auf einem Esel Essensnachschub und Post bringt, hat einen Ersatz dabei und soll die Leiche abtransportieren. Dieser Ersatz heißt Theodor („Geschenk Gottes“), Juan Carles Suau, ist Katholik, Priester und Schöngeist, liebt die Literatur und schreibt selbst Sonnette. Er ist ein fanatischer Parteigänger der Nationalisten, kennt – erst mal – keine Gnade, wie Silvero eine verwundete Frau am Bach findet. Es ist eine Polin, Sofia, Monika Kowalska, eine Studierte und Künstlerin dazu, die sich den Partisanen angeschlossen hat.

Theo kann nicht nachvollziehen, dass Silvero sie nicht sofort erschießt, sondern (christlich, ha ha) pflegt und aufpäppelt. Aber nachher soll sie bittschön der Armee übergeben werden, meint Theo.

Silvereos Mitleid liegt allerdings nicht in christlichem Gedankengut begründet, es ist die simple Tatsache, dass er seit Monaten keine Frau mehr gehabt hat und sie dafür fit machen will.

Arturo Ruiz, Autor und Regisseur dieses Kabinettstückchens, zeichnet in hochkozentrierten, ruhigen Szenen nach, wie sich die Beziehung der drei allmählich entwickelt. Wie sie schnell eine verschworene Gruppe werden, die den Kodex der übergeordneten Gruppe, der Kriegspartei, mit der Aufnahme dieser Feindin verletzt.

Schon beim nächsten Besuch von Paulinho verstecken sie Sofia und Theo hält dicht. Sofia macht den Deal, die Frau beider zu sein, mit. Bis Ostern – der Film fängt im tiefen Winter mit viel Schnee an – dürfe sie in dieser Funktion bleiben und müsse sich dann auf eigenes Risiko aus dem Staub machen.

Ein dichtes Kammerspiel, schön und mild beleuchtet, setzt ein. Ab und an findet sich ein Tier in der Falle. Einmal soll Sofia kochen. Oh, das kann sie nicht, sie kann lesen, schreiben, singen, malen. Das verbindet sie mit Theo. Der wollte auch studieren. Empfindet fast etwas wie Neid zu ihr, der Studierten, denn im Weltbild seines Vaters war Studieren nicht vorgesehen, in dessen Haus wurde man notfalls Priester. Es wird sich noch zeigen, dass er nicht, wie das Vorurteil es will, ein „fag“ ist. Er will lieben. Aus dieser Konstellation heraus ist nichts zu erwarten, was gut ausgeht.

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