Go Home (Filmfest München 2016)

Was, wenn der Vater Blut an den Händen gehabt hat, wenn er kein guter Mensch war?

Ein extensives Poem, das um Heimat, Vertreibung, Krieg, Vergangenheit, Familie und düstere Geheinnisse kreist.

Jihane Chouaib schickt Nada, Golshifteh Farahani, in den Libanon zurück, wo sie geboren wurde und die Kindheit erlebte. Dunkle Erinnerungen. Manche kommen zurück angesichts des Vaterhauses. Der Vater und der Großvater müssen dort in den Hügeln Libanons angesehene und bekannte Männer gewesen sein. Es ist lange her.

Die Quellen wollen nicht sprudeln beim Befragen. Nada richtet sich in diesem Haus notdürftig ein, ein paar Vorhänge, Bettzeug, etwas Küchengerät, Kerzen, provisorisch und improvisiert, denn das Haus ist verkommen, halb Ruine.

Nachts glaubt sie, Gestalten vorm Haus sich rumtreiben zu sehen. Die Leute geben sich schmallippig, wenn sie Fragen nach ihrem Vater und ihrem Großvater stellt. Sie solle das lieber ruhen lassen.

Chadi, Wissam Fares, ist eine der wenigen Quellen, die nach insistentem Fragen etwas davon erzählen, er sei kein guter Mensch gewesen, der Vater habe Blut an den Händen gehabt.

Erinnerungen kommen in Nada zurück, wie sie als kleines Mädchen etwas beobachtet hat, im Zwielicht, Männer, ein Gewehr, ein Mensch, auf den eingschlagen wird. Auch eine Blechkiste kommt ihr in die Erinnerung, ein typischer Schatz, den Kinder irgendwann mal begraben.

Ihr Bruder Sam, Maximilien Seweryn, schließt sich ihr an. Er nimmt das nicht so tragisch. Nada schon. Sie sucht eine Wahrheit, die sie wahrscheinlich nie fnden kann, eine Heimat, die sie nie wieder haben können wird.

Sie trifft Leute, die in verlassene Häuser eingezogen sind, nachdem deren Besitzer geflohen sind. Ihnen wurde damals gesagt, sie würden in die Ferien fahren. Aber die Kinder spürten, dass es etwas anderes sein würde.

Der Film versucht mit viel Gefühl und Behutsamkeit diese Atmosphäre der Heimatlosigkeit eines modernen Menschen zu evozieren, der aus einer modernen Gesellschaft kommt; Nada und ihr Bruder wirken gut erzogen, gebildet und auch nicht unglücklich; sie sind auch anständig gekleidet. Umso befremdlicher muss für sie so eine Vergangenheitslücke sein, das versucht dieser Film zu erzählen; einen Fixpunkt für ihr Leben können sie so daraus nicht machen.

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