Closet Monster (Filmfest München 2016)

Dieser Film von Stephen Dunn fällt durch stachelige Schnitte auf.

Wenn Papa Bretter sägt, so schneidet sich, dazwischengeschnitten, der kleine Oscar die Haare.
Wenn der kleine Oscar am Seil am Baum hängt und dieses reißt, so fällt er als 18-jähriger Oscar auf den Boden.
Wenn der junge Mann Oscar auf dem Klo onaniert und an den Mitlehrling denkt, dem er das Shirt ausgeliehen hat, so kommt im Bild statt der Erektion eine Eisenstange, die der kleine Bub bei einem Schwulenmord im Friedhof beobachtet hat.
Wenn Papa den Pfeil spannt, folgt das Herausrattern von Fotos aus dem Kopierapparat.
Der Eisenstangenzwischenschnitt wiederholt sich später bei der Entjungferung durch Andrew auf der Kostümparty … und nachher tropft ein Wasserhahn. Auf den Wasserhahn folgt Regen.
Kurz vorm ersten schwulen Kuss, wenn dem Freund der Speichel aus dem Mund läuft, schneidet Dunn einen reißenden Strom dazwischen.

Die Einsamkeit des Schulbuben Oscar wird illustriert durch das kaputte Verhältnis der Eltern, den Auszug der Mutter, durch Handlinienlesen einer Schulkameradin, die seine als „gay“ interpretiert, und dadurch, dass er den Schwulenmord im Friedhof beobachtet. Ferner durch einen Hamster, den Oscar auch noch als 18-jähriger hat und mit dem er spricht und der ihm antwortet und der in dieser Zeit längst mehrere Hamsterleben hinter sich haben müsste.

Die Einsamkeit als 18-jähriger wird charakterisiert durch die Offenbarung seiner Chefin im Baumarkt, dass er hier nur seine Zeit vertue. Dann durch den Brief „Unfortunately“, die Absage aus New York und dadurch, dass er Totenköpfe und Puppen, Hände, Figurinen modelliert, dass er eine Pelzmütze seiner Mutter zur Seite schafft und diese heimlich trägt.

Vater fällt dadurch auf, dass er so spricht, als habe er drei dicke Zigarren im Mund. Vater schüttet dem 18-jährigen Oscar einen Drink ins Gesicht, weil dieser ihm Vorwürfe macht, dass er so laut nach ihm rufend im Baumarkt aufgetreten sei.

Die beiden 18-jährigen steigen ins Baumhaus, das der Vater, der inzwischen eine neue Freundin hat, gebaut hat. Große Aktion daraufhin: der Vater löscht mit dem Gartenschlauch die Zigarettenkippe, die der Freund des Sohnes weggeworfen hat – auch eine Art, das Thema Schwulität zu behandeln.

Nach 50 Minuten folgt die Einladung zu einer Kostümparty. Oscar kostümiert sich mit der Pelzmütze seiner Mutter. Vater schimpft ihn darauf „Faggot“ und verstaucht sich den Fuß dabei. Bei der Party kleiden sie Oscar als Frau ein. Andrew macht Oscar an. Es folgt die Kuss-Speichel-Szene. Nach der Entjungferung dramatische Zuspitzung und Entladung der Bildineinanderschnitte, musikalisch nervös untermalt.

Dann kann der Film beruhigt auf das Ende zugehen und eine Zukunft für den durchgerüttelten Jungen ins Auge fassen. Den Film zieht es zum ersten Mal in die Landschaft hinaus. Die Ratte darf im Totenschiffchen hinaus aufs Meer …. auch wenn hier nicht New York ist.

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