Bastille Day

Vertrauen aufbauen in die Geheimdienste, zumindest die französischen, tut dieser Film von James Watkins (Die Frau in Schwarz) nach dem Drehbuch von Andrew Baldwin nicht.

Korrupt bis nach ganz weit oben. Auffliegen tut das durch ein saudummes Missgeschick beim Versuch, eine Bombe zu legen, um das Sicherheitsgefühl im Lande zu unterminieren, natürlich mit der Absicht ohne Personenschäden, wir sagen nicht von wem, um die Wichtigkeit der Sicherheitsdienste zu erhöhen.

Es geht schief, weil Zoe Naville, Charlotte Le Bon, in dem Bürokomplex, in dem sie die Tasche mit der in einem Teddy versteckten Bombe mit Zeitzünder deponieren soll, einer Putzkolonne begegnet und in Panik gerät wegen der Möglichkeit von Menschenopfern.

So spaziert Zoe mit der Bombe in der Handtasche durch Paris. Sie telefoniert, versenkt das Handy in der Tasche. Dabei wird sie von Michael Mason, Richard Madden, beobachtet. Er ist ein professioneller Taschendieb, klaut ihr die Tasche und stellt diese neben einem öffentlichen Müllbehälter ab, entnimmt das Handy. Dieses für einen Taschendieb eher ungewöhliche Vorgehen ist für den Fortgang des Filmes unerlässlich.

Kaum ist Michael weg, explodiert die Bombe. Was solche Bomben in Paris alles anrichten, damit sind wir in jüngster Zeit in den Nachrichten überflutet worden. Hier sind die Täter jedoch keine Islamisten.

Die Bombe führt dazu, dass Michael ins Visier sowohl einer geheimen, inoffiziellen Abteilung des CIA in Paris gerät, an seiner Spitze Sean Briar, der souveräne Idris Elba, und auch ins Visier des nicht ganz lupenreinen, französischen Geheimdienstes.

Das zeitigt viel Hit-and-Run, denn auch Zoe muss gefunden werden, speziell hinter ihr sind die Geheimdienste her.

Michael gerät in die Fänge des CIA-Agenten Sean. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Art Teamgefühl, denn Michaels diebische Fähigkeiten können Sean noch von Nutzen sein.

Watkins erzählt diesen Thriller mehr als eine Bildchengeschichte, repetiert sozusagen sein Storyboard, was prima gearbeitet ist, gut verfugt; die Bildchen so ausgeleuchtet, dass die handelnden Personen herausgehoben sind und keine störenden Ausstattungsgegenstände ablenkendes Eigenleben entwickeln. Gut zu folgen.

Trotzdem habe ich ein Problem mit diesem Film. Es geht um den zweiten, den quasi unfreiwilligen Protagonisten, den Taschendieb. Denk ich an Bresson und seinen Taschendiebfilm, so freu ich mich zwar auch hier über die schöne Präsentation seines Agierens in der ersten Szene und mit dem geschickten, ad hoc angeheuerten und ablenkenden Blickfang dafür. Aber vielleicht hätte der Darsteller Mason Bressons Film studieren sollen, sich inspirieren lassen von der hohen Konzentration im Gesicht des Diebes, in seiner Unergründlichkeit.

Mason dagegen zeigt alle seine Gefühle, seine Verunsicherungen, die er durch die unerwartete Situtation erleidet, spielt auch den ungeratenen Sohn mit abgebrochenem Studium und sein Unglück mit.

Hinzu kommt, dass auch Andrew Baldwin das Drehbuch mehr in Hinblick auf die Verquickungen und Mechanismen undurchschaubarer Geheimdienstaktivitäten angelegt hat als auf das Schicksal von Michael. Insofern ist er Protagonist und doch wieder nicht.

Andererseits wird der amerikansiche Geheimdienstler Sean mit ungleich größerer Souveränität ausgestattet – er bringt am Schluss alles ins Lot, rettet Paris vor einem noch viel gewaltigeren Anschlag, propagiert das Vertrauen in den CIA.

Insofern kommt der Charme zu kurz, lediglich die einführende Trickdiebszene kann allenfalls als leicht schalkhaft bezeichnet werden. Lustig aber sind einige schöne Verfolgungsszene, fast altmodisch und ganz ohne Computereffekte wie es scheint, Verfolgungen über die Dächer von Paris, die wirken leicht und manchmal gewollt originell, wenn Michael immer wieder ausrutscht, erst recht im Vergleich zu den rauen Sitten der Pariser Polizei und des Geheimdienstes.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.