Actor Martinez (Filmfest München 2016)

Weil es so schwierg ist, meint Arthur, der Titelheld und Protgonist des Filmes, deshalb interessiert ihn das Kino.

Warum ist Eminem so groß geworden? Weil er von sich erzählt hat. Das macht die Crew um Mike Ott und Nathan Silver, die beiden Regisseure und Drehbuchautoren dieses Filmes, die diese Rollen selbst spielen, ganz ruhig und nachdenklich. Sie sitzen um den Küchentisch in der Wohnung ihres Protagonisten, wo sie einen Film drehen wollen. Sie trinken Kaffee aus Konfitürengläsern oder welches Kraut immer zu der dunklen Brühe verwendet wird. Sie kämpfen um Glaubwürdigkeit im Film, um Ehrlichkeit, um das Reale.

Diese Wahrhaftigkeit bezieht sich auf die darstellerische Performance, nicht auf den Einfluss des Drehbuches; das wäre ein anderes, garantiert deutlich schwierigeres Thema.

Das Team um Mike Ott und Nathan Silver sind keine ganz blutigen Anfänger mehr, die sind in Amerika mit dem Film vermutlich so aufgewachsen, wie der Fisch im Wasser, das zeigt die Souveränität von Inszenierung, Schnitt, Soundspur, Ausstattung (eben die Kaffeegläser). Sie versuchen sich hier an einem Selfie ihres Kinokünstlertums.

Gleichzeitig kommt dieses Ansinnen einem Angriff auf die Branche insofern gleich, als auf die Leinwand zu kommen, ein großes Ziel von vielen ist und nur wenige schaffen es zum Star oder groß rauszukommen, wie der erwähnte Eminem.

Der Film dient der Selbstvermarktung, der Ichverbreiterung in einer vor Ellenbogen nicht geschützten Branche: in jedem Moment, wo Martinez auf der Leinwand ist, kann an der Stelle gleichzeitig kein anderer sein.

Sie versuchen anhand eines Filmprojektes die Realität dieses Kampfes abzubilden, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Sie zeigen Ausschnitte aus dem Casting, Gespräche über die Rolle, Selbstgespräche, die Partnerinnenwahl, denn es gibt intime Szenen. Eine solche wird auch gedreht, die macht recht deutlich, dass das gar nicht so einfach ist, es soll glaubwürdig wirken, aber der Zuschauer soll bittschön auch etwas vom Gesicht sehen.

Der Film zeigt auch, was eine der Stärken der amerikanischen Filmschauspielerei ist, dieses hartnäckige Insistieren darauf, dass die Figur glaubwürdig rüber kommt, diese Suche im Privatleben nach solchen Momenten. Jeder verdammte Motherfucker auf dieser Welt, sagt Martinez an einer Stelle, hat den Moment, in dem er cool ist; er meint: wahr, glaubwürdig, da wo man ihn respektieren muss. Das macht das Persönliche einer Filmfigur aus. Das muss der Darsteller auf die Leinwand bringen, ob er den Darsteller als „privat“ oder als „darstellend“ darstellt.

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