The Nice Guys

Hollywood-Star-Vehikel wie ein ausladender, mondäner Cadillac aus den 70ern und auch dort spielend, der von der Aura angesagter Stars wie auf Luftkissen kultig durch die Kinosäle kutschiert werden soll.

Die das leisten müssen sind Russell Crowe und Ryan Gosling.

Der etabliertere, ältere der beiden angesagten Stars und der also an erster Stelle im Vorspann genannt wird, ist Russell Crowe: 1 Oscar, 35 Filmpreise und 67 Nominierungen bei 53 Rollen laut IMDb und der jüngere, das Greenhorn, der an zweiter Stelle genannt wird, ist Ryan Gosling: 1 Oscar-Nominierung, 22 Filmpreise und 86 Nominierungen bei 40 Rollen.

Diesen beiden Hollywood-Assen dürfen wir jetzt fast zwei Stunden lang beim ehrlichen Geldverdienen zuschauen in einem Film von Shane Black (Iron Man 3), der mit Anthony Bagarozzi auch das Drehbuch geschrieben hat, auch das reell im Sinne Hollywoods der Ära vor der Computerdominanz in der Postproduktion.

Hier wird nicht pausenlos mit dem Computer getrickst und eine imaginierte Welt vorgetäuscht wie in der aktuellen Schwemme der Superheldenfilme, hier sind Menschen, veritable Stars die Helden und ihre Stunts sind echt, händisch von professionellen Stuntmen durchgeführt. Die haben einiges zu tun bei der Vielzahl an Sprüngen aus Fenstern, von Dächern, durch Decken, in Schwimmbecken oder auch daneben oder auf Autodächer.

Auch gekämpft wird ehrlich, Mann gegen Mann, ehrbares Hollywood-Männer-Handwerk eben.

Das einzige, was nur mit Hilfe des Computers gelingt, ist der dichte Smog von L.A. (so wie wir ihn heute aus Bildern von Peking oder Shanghai kennen), der in den 70ern ein Thema war und Ziel für Proteste von Umweltschützern.

Anhand einer solchen Szene werden Humor- und Intelligenzlage des Films und der beiden Hauptfiguren erhellt, die contre coeur als Privatdetektive im Fall des Verschwindens von Amelia zusammenarbeiten müssen.

Sie befinden sich vor einem neoantiken Amtsgebäude. Auf den majestätischen Stufen zum Portal liegen die Mitglieder einer Umweltschutzgruppe mit Gasmasken und Tote darstellend. Minutenlang wird jetzt Humorpotential daraus geschöpft, dass zwischen den beiden Detektiven und den Performern ein Frage- und Antwortspiel in Gang gesetzt werden soll, welches pausenlos durch die Todesrollen torpediert wird; Hauptclou: Tote können nicht anworten. Und tun es doch.

In der Hackordnung der Stars muss der jüngere, Gosling, den Dümmeren spielen, vielleicht angedacht in etwa in der Nachfolge des Inspektors Clouseau von Peter Sellers; ehrlich gesagt: nicht erreicht.

Crowe hat Gosling gleich zum gewaltsamen Beginn ihrer Bekanntschaft in einer schönen Szene, über die die Schauspieler nachher in ihren Garderobenwagen sicher stolz geradebrecht haben dürften, den linken Unterarm gebrochen, so dass Gosling als Erinnerung daran über den Rest des Filmes einen Gips trägt, äußeres Symbol für die auch handlungsmäßig lädierte Figur, die sich vorher schon beim Versuch, eine Tür mittels Einschlagens des Fensters zu öffnen, einen bemerkenswerten Blutverlust zugezogen hat als Hinweis auf seine prinzipielle Schusseligkeit.

Die hellste auf Seite dieses komisch angelegten Rabaukenpaares ist das hellwache Töchterchen von Gosling, ein hoffnungsvolles Hollywood-Nymphen-Starpüppchen.

Im Film wird viel geraucht, getrunken und auch rumgeballert und, auch das ein Zeichen für die handwerkliche Ehrlichkeitsintention, angenehm wenig Musikmayonnaise darüber gestreut oder darunter gemischt und angenehm auch, dass der Film nicht in 3D vorgeführt wird.

Die Suche nach der vermissten Amelia ist der Antreiber und Verwirrer für die Action, die die beschränkten Detektive quer durch bessere Kreise aus L.A. auf Trab hält. Es wirkt fast so, als wollten Crowe und Gosling das Brettl-Theater für sich entdecken mit einem Hauch von Bolzplatzkino. Ein Kino, was von den Schauspielern lebt und nicht primär von der Geschichte und dafür hängen sie sich bravourös rein.

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