Green Room

Reichlich schöner, reichlich amerikanischer, reichlich akademischer Laborversuch zum Thema, dass im Menschen nicht nur ein Tier, sondern sogar eine Bestie steckt.

Nichts Neues unter der Sonne, aber Jeremy Saulnier, der Autor und Regisseur, weist sich als gewiefter Beherrscher seines Handwerkes aus.

Eine Rosine für Cineasten, die mich allerdings nicht tiefer beschäftigt, zu sehr wird mir die Situation Experimentierraum demonstriert, der kaum über eine Illustration des Banalsatzes, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sei, hinausgeht.

Eine Anti-Rechts-Band ist in einem romantischen Tourbus, den sie selber steuern, unterwegs zu einem Gig. Übermüdet rasseln sie ins Maisfeld, hinterlassen eine breite Schneise, werden beim Aufwachen nach dem Rums sympathisch vorgestellt, hingebungsvolle Jungdarsteller, die alle schon ein bis mehrere Dutzend Credits in IMDb vorzuweisen haben.

Wie es wirtschaftlich um die Band bestellt ist, wird daran ersichtlich, wie sie sich Benzin beschaffen. Mit dem Rad zur nächsten Siedlung und unbeobachtet auf einem Parkplatz von einem Wagen Benzin abzapfen.

Der verabredete Gig, der läuft nicht wie erwartet, die Einnahmen reichen gerade mal für das Benzin bis zur nächsten Ortschaft. Aber der Irokese, der Typ mit so einem Haarschnitt, der sich in seinem Verhalten fein unterscheidet von der Band, kann ihnen kurzfristig einen Auftritt in der Region vermitteln; dort sind vor allem Glatzköpfe im Publikum.

Die Hinführung zum Horrorraum, die bald folgen wird, erfolgt ähnlich wie beim Blairwitch-Project realistisch und plausibel. Auch im Schuppen, in dem sie ersatzweise auftreten, befinden sich lauter Figuren, die ihren radikalen Auftritt haben.

Zurück von der Bühne in der Garderobe finden sie eine Leiche. Sie werden zu Geiseln der Absicht des Veranstalters, diese zu vertuschen.

Von einer Sekunde auf die andere geraten die netten Musiker in eine unzivilisierte, unmenschliche Situation, die sich mit einer bitterbösen Konsequenz stetig verschlechtert, die die Menschen von der Seite immer gnadenloserer Bestialität und dem Verlust jeglicher zivilisatorischen Grenzen zeigt.

Saulnier bringt das so bannend, weil er Details wichtig nimmt, weil er die Dinge, die da sind, benutzt, ob Feuerlöscher oder die Möglichkeit mit einer Verstärkeranlage einen irren Rückkoppelungseffekt herzustellen oder im Dialog situationsbedingt Einsprengsel einbaut, die eingeschlossene Gruppe soll bittschön nur einen sprechen lassen, sonst verstehe er nicht, denn er selbst ist schon heiser.

Schlimm ist so ein Film für Leute, die die Menschen für gut halten.

Running Gag ist die ideologische Testfrage: welche Band nimmst Du mit auf die einsame Insel. Nichts also für Musikideologiemuffel.

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