Everybody Wants Some!!

Jungmännererotik im Amerika von 1980 oder die detailgetreu rekonstruierten Erinnerungen des Richard Linklater (Boyhood, Before Midnight) an den aufregenden Scharnierpunkt in der Jugend, nämlich dem Übergang von der Highschool, im Heimatkaff waren sie noch Stars, ans College, wo ein anderer Wind bläst und wo es zumindest im Sport anfängt, ernsthaft zu werden.

Die jungen Männer eines Baseball-Teams bewohnen Zimmer in schönen Teamhäusern und praktizieren ihre Abklopfrituale, mit denen sie jeglichen Verdacht von Homoerotik knallhart von sich weisen, Klaps da, Klaps dort ohne jede Verweildauer, Sprüche; Linklater gibt das minutiös wieder. Die Straßen scheinen gesäumt von jungen Frauen in Hotpants und nach knapp zwei Stunden schnackelts dann doch zwischen dem patenten Protagonisten ohne Hintergedanken und Geradeaus-Jungen Jake des Blake Jenner mit Beverley, der leichthändig ihre Emotionen spielenden Zoe Deutch. Nach der letzten Sause dieser aufgestachelten Tage vor dem College-Beginn, einer Theater-Party, landen sie, recht konventionell, im Bett.

Die anskizziert eingestreute Lovestory zwischen Jake und Beverley ist der kleine rote Faden der sonst geschichtsarmen aber desto anekdotenreicheren Story. Blake kommt in einer dieser Ami-Limousinen, die so traumhaft schön für das Kino sind mit ihren erotisch geschwungenen Karrosserien, am Ort seines Colleges an, fährt bald schon mit den Kumpels herum, um Frauen anzumachen. Beverely ist nicht auf den Mund gefallen und lässt die älteren Typen abfahren, ihr gefällt der nicht sich mit großer Schnauze aufspielende junge Mann, der auf der Rückbank eingequetscht in der Mitte sitzt, Jake.

Die Abfuhr können die älteren Semester nicht auf sich sitzen lassen, sie brausen davon. Aber Jake hat sich die Zimmernummer in dem Studentinnen-Appartmenthouse längst gemerkt, was die spätere, mäßig romantische Anbandelung mit Nelken und kleinem Brieflein an der Wohnungstür zur Folge haben wird; der Freier und sein Antrag.

Diese recht stereotype Anmach- und Liebesgeschichte ist eingebettet in eine liebevolle Rekonstruktion jener Tage, die dem Zuschauer das Gefühl einer Zeitreise in die amerikanische Provinz von anno 1980 vermittelt, des Rumhängens, Partymachens, Über-die-Stränge-Schlagens und Erfüllung des Filmtitels, dass jeder jemanden wolle, eine wolle, eines wolle, etwas wolle.

Es wird Hasch geraucht, Bier geleert, getanzt, geschwoft, ab und an ein kurzer existentialphilosophischer Gesprächsbrocken oder Bemerkungen zur Intelligenzverteilung in Basketballteams oder der Vergleich von Sisyphus und dem Basketball.

Die ausgewachsenen, jungen Männer hängen in ihren Zimmern rum, hören Musik, beklopfen sich, spielen Dart, vergleichen sich, das erinnert einen Moment lang an den griechischen Film Chevalier, diese Wettbewerbe unter den Männern, die offenbar nicht anders können, als sich ständig zu vergleichen und der Beste sein zu wollen, sich die Fingerknöchelchen blutig schlagen, harte Aufnahmerituale für die Neuzugänge im Baseball-Team, dezidierter Männerton, der wie Angst hat vor Gefühlen zwischen den Männern, der sie magisch die Nähe suchen aber gleichzeitig Distanz wahren lässt.

Wie immer spielen bei Linklater die Darsteller, die zwar alle viel älter sind als das Spielalter, was sie hier bedienen, hervorragend. Linklater weiß wohl, weshalb er lieber diese erfahreneren Darsteller besetzt, deren Erinnerung an die College-Zeit nicht zu weit weg sein dürfte und die Figuren sind sehr schön differenziert, so dass der Film wie eine exakte Lebensrekonstruktion wirkt, in manchem fast abstoßend realistisch. Uns Europäern kann der Film allerdings den Reiz von Basketball nicht näher bringen – das ist bestimmt auch nicht die Absicht.

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