Doktor Proktors Zeitbadewanne

Johan Bogaeus, Drehbuch nach dem Kinderbuch von Jo Nesbo, und Arild Fröhlich, Regie, haben mit dem erfolgreichen Doktor Proktors Pupspulver ihr Pupspulver noch lange nicht verschossen; sie pupsen unterhaltsam weiter mit einer Zeitbadewanne.

Mit ihrer Methode mittels Unsinn den Sinn (des Lebens, der Geschichte, des Menschseins) einzukreisen, schicken sie Gard Bjornstjerne Eidsvold als Doktor Proktor auf eine spooky-poopsy Zeitreise.

Das Motiv ist Liebe. Proktor möchte Juliette Margarine, Kristin Gure, vor der Heirat mit dem skrupellosen Geldmacher Claude Cliché, Atle Antonsen, bewahren. Dazu muss er zurück in die späten 60er nach Paris, wo gerade gegen den Vietnamkrieg protestiert wird.

Hier gerät er in die Bredouille, fordert die Hilfe der beiden junge Protagonisten an, Bulle, Eilif Hellum Noraker, Wonnepfropfen mit der imposanten roten Elvistolle und Lise, Emily Glaister, die cool den Überblick bewahrt.

In so einem Film, der Verrücktheit sowohl in Story, Ausstattung als auch Figurgestaltung aufs Panier schreibt, ist das Motiv der Zeitreise leichter nachvolziehbar, als in vielen bemühten SciFi-Filmen, die Glaubwürdigkeit und Realismus behaupten wollen.

Zeitreiseseife muss her und eine Badewanne. Die Seife muss schaumig eingerührt werden, Nase zuhalten, eintauchen, die Zielzeit fest vor Augen und im Kopf. Und schon ist der grüne Bulle eingekreist von lebhaften Can-Can-Tänzerinnen im Moulin-Rouge von anno dunnemals.

Die Zeitreiseseife bringt zugleich die tragische Komponente mit ins Spiel. Raspa, Helén Vidstvedt, die einen altmodischen Uhrenladen betreibt, hat die Zeitreiseseife erfunden. Sie ist die unglücklich Liebende, die leer ausgeht und dafür auch noch mit dem Scheiterhaufen bestraft wird; von Proktor wird sie nur benutzt, ohne Gegenliebe. Der Film wird sie entschädigen mit dem Eingang in die Kunstgeschichte. Auch die Gruppe der Gewinnler wird das tun, sie wird als skurrile Sonderheit in der Galerie der Neoromantik landen.

Die deutsche Nachsynchronisation ist erfreulich. Die Regie achtet primär auf Sprechhabitus und – duktus und auf Figurcharakterisierung durch das Sprechen; um die Perfektion der Lippensynchronizität schert sie sich nicht perfektionistisch, zum Vorteil des Ganzen, wär ja auch crazy in so einem Film.

Ganz auf Bildungsgehalt und Geschichtsinformation verzichtet der Film nicht; Ungenauigkeiten in der Konzentration der Zeitreisenden auf ihr Ziel ermöglichen, dass sie mal im 15. Jahrhundert in Rouen bei Jeanne d’Arc landen oder Bulle findet sich plötzlich als Napoleon vor der Schlacht von Waterloo seiner Riesenarmee gegenüber und findet enormen Spaß am Machtspiel und spielt es in seinem Sinne, geschichtsverändernd einerseits und geschichtswahrend andererseits; auch die Verbrennung der Jeanne d’Arc wird anders verlaufen, denn Doktor Proktors Pupspulver ist immer noch dabei im Spiel und ist gut für manch sinnigen Jux.

Fröhlich geulkt ist halb gebadet und die Zähne geputzt dazu. Der Pilot im Flugzeug nach Paris meldet sich als Jacques Cousteau und in Paris steigt man in der Pension Pommes Frites ab. Sage einer, das sei nicht schmackhaft.

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