Dirty Games

Bahadur, 28, verheiratet, Vater einer Tochter, sei im Schlaf gestorben, heißt es in seiner Todesakte. Ein kräftiger, junger Mann ohne Krankheiten. Er ist nicht der einzige.

Mit der Überführung des Sarges mit den sterblichen Überresten von Bahadur von Katar nach Nepal und dessen Verabschiedung und Verbrennung fängt Benjamin Best seinen Doku-Essay über Korruption im Sport an, der aus ruhiger Distanz sortiert und betrachtet.

Best widerlegt mit diesem seinem ersten Hotspot die Behauptung, in Katar würden die Menschen nicht geschunden, widerlegt den Beckenbauer, der dort keine Sklaven gesehen haben will; er findet auch Dokumente, in denen eine deutsche Firma, Kaefer & Co. aus Bremen, eine unrühmliche Rolle spielt.

Ein vielleicht 30-sekündiger Zusammenschnitt dieses Kapitels seiner Dokumentation, die von der wohltuenden Kamera von Jürgen Heck, vom Schnitt von Klaus Flemming und dem Sounddesign und der Mischung von Matthias Münster hochqualitativen Support erhält, sollte vor jeder Übertragung eines WM-Spieles aus Katar im Jahre 2022 verpflichtend gesendet werden.

Benjamin Best sieht Korruption als ein allgemeines Phänomen des Spitzensportes: das viele Geld, der Ruhm, der Druck der Massen und des Massengeschäftes, der Milliarden, macht die Menschen für Unrecht und Vorteilnahme empfänglich.

Benjamin Best nimmt sich genügend Zeit und Luft, um einzelne prägnante Korruptionsskandale um große Sportereignisse weltweit unter die Lupe zu nehmen. In jedem Kapitel gibt es einen eigenen Protagonisten.

In Zürich geht es um die Ermittlungen des Staatsanwaltes gegen die FIFA; Bonita Mersiades ist ihr Whistlblowing allerdings nicht gut bekommen; sie hat an die Öffentlich gebracht, wie die australische Bewerbung für die Wahl der WM von 2010 doppelgesichtig war, eine offizielle und eine inoffizielle. Und es sei nicht gut angekommen, dass Australien es nicht für nötig gehalten habe, eine Geschenk für Trinidad in Aussicht zu stellen, was an Jack Warner gehen sollte; Bonita Mersiades, die Whistlblowerin, würde keinen Job mehr in Australien finden, heißt es im Abspann; der Skandal zum Skandal.

In Boston befragt Best den Pianisten Charles Farrell. Der war einst Box-Schiedsrichter und erzählt detailliert aus dem Nähkästchen, wie Absprachen über den Ausgang von Kämpfen stattgefunden haben, mit welchen Begriffen und Hinweisen, die nie als Akte von Kriminalität nachweisbar waren.

Unter Verzicht auf jede TV-Gehetztheit, die das Gros heutiger Dokumenationen verunstaltet, nimmt Best sich Zeit für seine Protagonisten. Es folgt der Fußball in Brasilien. Es geht um die WM. Wie die Brasilianer den Fußball lieben, es sich aber immer weniger leisten können, ins Stadion zu gehen wegen der exorbitanten Eintrittspreise; Fußball ist nur noch für Touristen und High-Society bezahlbar. Es geht um absurde Umsiedlungen einzig wegen geplanter Parkplätze, die dann doch nie gebaut worden sind. Und ähnlich sieht es für die anstehende Olympiade aus. Informationen, die im Nachhinein all jenen Stimmbürgern aus der Schweiz, München, Hamburg, Skandinavien recht geben, die sich mehrheitlich gegen die Austragung von Olympischen Spielen in ihrer Heimat ausgesprochen haben.

Selbst die Debatte über diese Missstände wird in Brasilien unterdrückt; obwohl Brasilien mit seinem Vorgehen gegen Menschenrechtsabkommen verstößt, die es unterzeichnet hat. Auch der Bürger hat ein Recht auf eine Wohnung.

Weiter geht’s mit der NBA in den USA. Der Druck ist enorm, Sieger aufzubauen und sie nicht vom Sockel zu holen. Das gelingt mit strikter Anwendung der Regeln nicht und verführt zu chronischen Tricksereien und Absprachen.

In Istanbul geht es um den rechtskräftig verurteilten Asis Yldirim, den Präsidenten einer der erfolgreichsten türkischen Fußballmannschaften. Der ist längst rehabilitiert; schuldig für seine Vergehen seien die Gegner des Staatspräsidenten; immerhin wird in Istanbul konstant dagegen protestiert; inzwischen ist Yildirim frei gesprochen worden, da es sich um Machenschaften des Gegners Gül von Präsident Erdogan gehandelt habe.

In Manchester hat es einigen Fans gereicht, dass es bei ihrem Klub nur noch ums Geld ging. Sie wollen so einen Klub nicht weiter unterstützen, jammern wollen sie auch nicht; sie wollen Fußball wieder zu einem urigen Erlebnis machen, was sie auch bezahlen können; sie haben einen alternativen Club gegründet: FC United, der seit Mai 2015 mit Broadhurst Park sogar sein eigenes Stadium hat. Hier gibt es Sport, wie Sport sein soll, als gesellschaftliches Ereignis, hautnah als Erlebnis mit Spaß an der Sach und mit einer Aura, in der alle sich wohl fühlen und sich nicht missbraucht vorkommen.

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