Der Moment der Wahrheit

Müsste besser heißen, das Momentum der Wahrheit, die treibende Kraft der Wahrheit in diesem hochspannenden Thriller, und welch gigantische Kraft, schier die Sprengkraft von Atom, die von einem Körnchen Wahrheit ausgeht, das wie in einem Heuhaufen in der wild drängelnden, überfüllten Gemengelage des Geschichtsprozesses verborgen liegt und das auch keiner findet, von dem vermutet wird, dass es existieren könnte.

In diesen Kampf um das Körnchen Wahrheit (es handelt sich grade mal um ein höher gestelltes „th“ auf einer Schreibmaschine von anno 1972), es an den Tag zu bringen resp. es nicht wahr haben zu wollen und zu negieren und die Wahrheitssucher zu denunzieren,steht an erster Stelle der Fernsehsender CBS mit der Produzentin Mary Mapes (Cate Blanchett) mit Dan Rather (Robert Redford) als Anchorman der Sendung „30 Minuten“, die politische Recherche betreibt und auf der Gegenseite die Neocons mit dem 2004 um seine Wiederwahl kämpfenden George W. Bush und seine schmutzigen Kohorten.

Die Sache ist übel ausgegangen für die Welt, für den Irak, der dadurch zum überquellenden Nährboden des inzwischen weltweit streuenden islamistischen Gotteskriegertums geworden ist, und auch für Amerika mit Tausenden von sinnlosen Toten.

James Vanderbilt hat das Buch „Truth and Duty: The Press, the President and the Privilge of Power“ von Mary Mapes zur Grundlage für sein detailversessen ausgetüfteltes Drehbuch, das viele Player eines solch komplexen, auch der Verschleierung der Wahrheit dienenden Prozesses wie mit der Pinzette einbaut in den erwähnten Heuhaufen, und das mit einem erstklassigen Ensemble staatstheaterlich gut verständlich und trotzden hochdynamisch verfilmt.

Das Körnchen Wahrheit von dieser elementaren Strahlkraft ist ein dunkler Punkt in der Biographie von George W. Bush, die Frage nämlich, ob er sich vorm Vietnam-Krieg gedrückt hat; denn falls diese Wahrheit als solche an den Tag kommt, dürften seine Wiederwahlchancen deutlich geschmälert werden und damit das Milliardengeschäft, das sich die Neocons davon versprechen. Es geht also um viel, zu schweigen von den Kollateralschäden dieser Politik, an der die Welt heute noch knabbert.

Die Wahrheit ist ein kostbar Ding, ein flüchtig Ding sowieso, das sich der Habhaftwerdung wie ein Aal leicht entzieht, gerade deshalb soll sich ihr der Journalismus verschreiben, wozu ist er sonst da, das ist hier das Kernthema.

Kurz wird auch die Erkenntnis verhandelt, dass sich mit solchem – investigativen – Journalismus Geld verdienen lässt, womit bereits wieder ein die Wahrheit gefährdendes Momentum ins Spiel kommt.

Anfangs wird der Zuschauer überrollt mit Namen, Bush, Bath, Burn, Bin Laden, Cahrles, Abu Ghraim Damian Metscheit, Scott, Mikey, Mick, Maurice Udell, Tom Honeycutt, Bill Hollwell, Bill Burkett, Linda Starr, Billy Graham, Dr. Phil McCraw, Killian, Albert Lloyd, Bobby Hodges, Buck Staudt: trotz dieser Verwirrnis erzählt Vanderbilt die packende Story als straffes Drama, welches sich im chaotischen Geschichtsprozess Bahn bricht.

Die Musik erzählt auch, dass es sich um das Thema Wahrheit handelt, sie träumt von erhabener Wahrheit. Bei der Verderbtheit der Welt ist es andererseits kein Wunder, dass Cate Blanchett sich oft verzweifelt durchs Haar fährt, die Blogger waren ja auch nicht nett zu ihr, ergo sachdienliche 1st-Class-Theaterei.

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